Graubünden
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Das kantonale Öffentlichkeitsgesetz (KGÖ) tritt am 1. November 2016 in Kraft. Es gilt nur auf kantonaler Ebene. Die Gemeinden sind vom Geltungsbereich ausgenommen. Damit ist das Öffentlichkeitsgesetz des Kantons Graubünden eine Ausnahme – lediglich Uri nimmt seine Gemeinden ebenfalls aus. Bislang haben die folgenden 17 Bündner Gemeinden das Öffentlichkeitsprinzip oder zentrale Elemente davon eingeführt: Arosa, Bonaduz, Celerina/Schlarigna, Chur, Davos, Domat/Ems, Felsberg, Klosters, La Punt Chamues-ch, Landquart, Pontresina, Samedan, S-chanf, Scuol, Silvaplana, St. Moritz, Tamins und Zillis-Reischen.

Kantonales Öffentlichkeitsgesetz (KGÖ) des Kantons Graubünden vom 22. Januar 2015

Verfassungsrang? Nein
Links Die Regierung setzt das KGÖ am 1. November 2016 in Kraft.
   
Kantonaler Öffentlichkeitsbeauftragter Das Gesetz sieht keinen Öffentlichkeitsbeauftragten vor.

Antrag im Kanton Graubünden stellen


Transparenz-Geschichten aus dem Kanton Graubünden

Oliver Christe, Sven Niederhäuser, Gion-Mattias Durband, Südostschweiz, 21.02.2026

Pensionskasse Graubünden: Klimabewusst und doch im Blindflug

Auf Grundlage des Öffentlichkeitsgesetzes hat das WAV Recherchekollektiv gemeinsam mit Correctiv Schweiz Einsicht in die Investitionen von sämtlichen öffentlich-rechtlichen Pensionskassen verlangt und veröffentlicht die Ergebnisse in verschiedenen Lokalmedien, wie hier der «Südostschweiz». Die Auswertung zeigt, dass die PKGR insgesamt über 32 Millionen Franken in Unternehmen investiert hat, die aktuell neue Öl- und Gasfelder erschliessen – das entspricht rund 2300 Franken pro versicherter Person. Darunter finden sich über eine Million Franken in Saudi Aramco, dem weltgrössten Öl- und Gasproduzenten, sowie fast 2,5 Millionen Franken im kanadischen Pipelinekonzern Enbridge. Gleichzeitig zeigen die Dokumente, dass die Pensionskasse überdurchschnittlich viel in Tech-Unternehmen wie Nvidia, Microsoft und Tesla investiert, während sie andere Konzerne wie Apple oder Meta ausschliesst.

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Pascal Ritter, Luzerner Zeitung, 06.06.2025

Die Mängel von Gino Mäders Unfallkurve

Gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz des Kantons Graubünden erhielt CH Media Einsicht in interne Dokumente zur Unfallkurve, an der Gino Mäder im Juni 2023 schwer verunfallte. Dazu gehört auch der Bericht einer Road Safety Inspection, die nach dem Unfall veranlasst wurde. Die Linkskurve auf der Albulastrasse war bereits seit März 2023 als Unfallschwerpunkt bekannt, doch der Kanton Graubünden verzichtete damals auf prioritäre Massnahmen – trotz vier registrierten Unfällen seit Anfang 2020, darunter ein sehr ähnlicher Velounfall eines Hobbyrennfahrers. Die Sicherheitsinspektion im November 2023 deckte deutliche Mängel auf. Die Querneigung der Kurve entsprach nicht den geltenden Normen: Während der erste Teil zu steil war, fiel der zweite, entscheidende Teil zu flach aus – dort, wo auch die Unfälle passierten. Die Ingenieure stuften das Unfallrisiko als hoch ein. Auch andere Sicherheitsstandards wurden verletzt: Leitpfosten waren zu wenig dicht gesetzt, Leitpfeile fehlten ganz. Empfohlen wurde ein umfassender Umbau der Kurve mit verbesserter Querneigung, gleichmässigerer Längsneigung und besserer Sichtführung. Kurzfristig sollten zusätzliche Leitpfeile angebracht werden. Die einzige bisher umgesetzte Massnahme sind dichtere Leitpfosten. Die übrigen Empfehlungen, wie Leitpfeile oder bauliche Anpassungen, wurden vorerst zurückgestellt – man will das Unfallgeschehen weiterhin beobachten. Der inzwischen errichtete 70 Meter lange Erddamm wird im Sicherheitsbericht nicht erwähnt.

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Ursina Straub, Schweiz am Wochenende, 21.09.2024

Kommt der giftige Stoff doch von der stillgelegten Deponie?

Seit mehr als 20 Jahren ist die Altdeponie «Rusna da Furns» auf dem Areal der Ems-Chemie stillgelegt. Doch der Boden rund um die Deponie ist belastet und im Pumpwerk Bagliel bei Domat/Ems (GR) wurde eine erhöhte Konzentration des Schadstoffs Trichlorethen gemessen. Bislang konnte aber nicht eindeutig nachgewiesen werden, dass der Schadstoff von der Altdeponie stammt. Ein Bericht des Kantons, den die «Schweiz am Wochenende» – gestützt auf das Öffentlichkeitsprinzip – angefordert hat, beschreibt, wie komplex das Grundwasser im Gebiet der Altdeponie fliesst. Die Richtung des Flusses hat Einfluss auf die Interpretation der Konzentrationsmesswerte. Die Verteilung der Trichlorethen-Konzentration könne nicht zufriedenstellend erklärt werden, heisst es im Bericht. Allerdings seien auch keine weiteren möglichen Quellen für den Schadstoff bekannt.

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Vanessa Mistric, K-Tipp, 31.05.2022

Ungesunde Luft in Schulen: Behörden bleiben untätig

Sieben Monate lang kämpfte der «K-Tipp» juristisch mit dem Bundesamt für Gesundheit um die Veröffentlichung der BAG-Messdaten zur Luft in Schulzimmern. Das Magazin verlangte per Öffentlich­keits­­gesetz Einblick in die Unterlagen. Die Messwerte und Namen der untersuchten Schulen hielt das Bundesamt unter Verschluss. Jetzt wird klar warum: die Luft ist miserabel und die Behörde blieb untätig. Eine Auswertung der Daten zeigt: In zwei Dritteln der untersuchten Schul­klassen war die Luft während mehr als 10 Prozent der Unterrichtszeit «hygienisch inakzeptabel» – in zehn ­Klassen gar während der überwiegenden Unterrichtszeit. Der CO2-Gehalt wurde als «inakzeptabel» und potenziell gesundheitsschädlich eingestuft. Bei so schlechter Luft sinkt nicht nur die Lernleistung der Kinder beträchtlich, sondern auch die Anfälligkeit gegenüber Viren und Bakterien ist erhöht. Die untersuchten Kantone ­erfuhren nicht ­einmal, welche Schulen schlecht abgeschnitten haben und es wurden auch keine weiteren Messungen mehr durchgeführt.

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Stefanie Hablützel, SRF Regionaljournal, 08.12.2021

Zu hohe Radon-Belastung an Bündner Schulen und Kindergärten

Im Kanton Graubünden weisen rund 60 Schulgebäude und Kindergärten eine zu hohe Radon-Belastung auf. In 19 Schulen wurden die Radon-Grenzwerte teilweise massiv überschritten. Das radioaktive Edelgas gilt als krebserregend und kann in schlecht isolierte Gebäude eindringen. Gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz hat das «SRF Regionaljournal Graubünden» beim Bundesamt für Gesundheit sämtliche Messdaten ab 2018 bis September 2021 für den Kanton Graubünden verlangt. Die Daten zeigen: Besonders betroffen sind etwa die Kindergärten in Zillis oder Savognin, einzelne Schulzimmer und Turnhalle, beispielsweise in Trun oder Chur oder ganze Schulhäuser (zum Beispiel in Rabius), wo der Grenzwert teilweise um das Fünffache überschritten wird. Die besonders betroffenen Gebäude müssen nach aktueller Rechtslage in den nächsten drei Jahren saniert werden.

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Stefanie Hablützel, Beobachter, 07.12.2021

War das Unglück verhinderbar? Jetzt wird untersucht

Am 23. August 2017 kam es zum grössten Bergsturz in Graubünden seit Jahrzehnten, der acht Menschenleben forderte. Die Bündner Staatsanwaltschaft kam zum Schluss: Der Bergsturz im Bergell sei nicht vorhersehbar gewesen und die Behörden könnten für den Tod von acht Alpinisten nicht verantwortlich gemacht werden. Vier Jahre nach dem Bergsturz von Bondo soll nun ein unabhängiges Gutachten die Frage klären, ob der Tod von acht Menschen hätte verhindert werden können. Wie gefährlich die Lage damals war, zeigen nun auch Mails der ETH Zürich, die der «Beobachter» gestützt auf das Öffentlichkeitsprinzip herausforderte. Zwei Wochen vor dem Bergsturz gab ein ETH-Geologe dem Schweizerischen Erdbebendienst (SED) einen Hinweis und warnte einen vom Kanton beauftragten Geologen vor einem möglichen, seismisch sichtbaren Bergsturz in naher Zukunft. Dieser warnte wiederum die Behörden: Das Bondasca-Tal sollte vorläufig nicht mehr betreten und der Berg rund um die Uhr überwacht werden. Im Kanton entschied man anders. Die Wanderer sollten lediglich nochmals auf die Gefahrensituation «explizit» aufmerksam gemacht werden. Der Gemeinde Bregaglia wurde empfohlen das Tal offen zu lassen.

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Stefanie Hablützel, SRF Regionaljournal, 14.10.2020

Deponie der Ems-Chemie wird seit 15 Jahren untersucht

Sickern giftige Stoffe aus der Deponie der Ems-Chemie in Graubünden? Erste Antworten auf diese Frage gibt ein 50-seitiger Bericht von 2005, erstellt von einem externen Büro, das die Firma beauftragt hat. «Radio SRF» konnte gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz und die Aarhus-Konvention Einblick erhalten. 2019 verweigerte das Amt für Natur und Umwelt den Zugang. Diesen Entscheid stiess das Bündner Umweltdepartement im September 2020 teilweise um und gewährte Zugang zum grössten Teil des Berichts. Das Fazit: Die vorhandenen Grundwasserdaten zeigen, dass das Grundwasser im oberen Churer Rheintal belastet ist.

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Sven Ziegler, Sonntagsblick, 19.07.2020

«Die Bevölkerung verliert das Gefühl der Bedrohung»

Steigende Fallzahlen, fehlendes Risikobewusstsein, Schwierigkeiten beim Contact Tracing: Der «Sonntagsblick» hat ­unter Berufung auf das Öffentlichkeitsprinzip die COVID-19-Protokolle der kantonalen Krisenstäbe ein­gefordert. Während Graubünden, Zug und Baselbiet Einsicht in die Pläne zur Bewältigung einer möglichen zweiten Welle gewährten, verweigerten einige Kantone wie Zürich und St. Gallen trotz eines formellen Gesuchs eine Herausgabe.

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Blog-Beiträge zum Kanton Graubünden

14. Februar 2020Parlamentskommission will keine Gebühren-Hürden mehr
27. September 2019«Ich konnte die Panne erstmals rekonstruieren»
01. März 2019Philippe Boeglin gewinnt den Prix Transparence 2018
02. Januar 2019Das sind die Nominierten für den Prix Transparence 2018
23. Februar 2018Das «Haus der Kantone» denkt über mehr Transparenz nach