Das sind die Nominierten für den Prix Transparence 2018

Sie entlarven Missstände, bringen Licht in weggesperrte Dossiers. Medienschaffende realisierten im letzten Jahr mithilfe der Öffentlichkeitsgesetze zahlreiche relevante Beiträge. Eine Auswahl davon ist für den Prix Transparence 2018 von Öffentlichkeitsgesetz.ch nominiert. 

 

 

Urs P. Gasche

Infosperber,
9. Januar 2018

Mit Anwälten hatte sich Swissmedic dagegen gewehrt, Firmenexperten zu nennen, die das umstrittene Krebsmedikament Folotyn des Herstellers Mundipharma begutachtet hatten. Nach einem vierjährigen Rechtsstreit musste die Pharmaaufsicht einlenken. «Infospreber» konnte mit den Dokumenten belegen, dass die Gutachter nicht unbefangen waren. Zwei Sachverständige sind Vizepräsidenten und der dritte ist Senior Director von Allos Therapeutics, einer Firma, welche die Rechte am Krebsmedikament in den USA und Kanada besitzt. 


David Biner
Julien Robyr
Marie Giovanola
Xavier Lambiel

Walliser Bote,
Le NouvelisteRTSLe Temps
23. und 24. Februar 2018 

Mehrere Westschweizer Medienhäuser haben gemeinsam das Schweigen der Behörden über einen Umweltskandal im Wallis gebrochen. Das Westschweizer Fernsehen RTS, «Le Temps», «Le Nouvelliste» und der «Walliser Bote» verlangten hartnäckig die Offenlegung eines Untersuchungsberichts zur Historie der Quecksilberverschmutzung durch das Chemiewerk Lonza. Anhand der Dokumente konnten sie zeigen, wie die Behörden das gravierende Umweltproblem ignoriert und dadurch verschärft hatten.


Stefanie Hablützel

Der Beobachter,
29. März 2018

Wegen einer Panne bei der Sanierung der im Kanton Graubünden gelegenen Staumauer Punt dal Gall gelangten 2016 vermutlich grosse Mengen der krebserregenden Industriechemikalie PCB in den Bach Spöl. «Der Beobachter» untersuchte den Vorfall und verlangte, gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz, Einblick in Unterlagen des Kantons. Diese lassen auf ungenügende Kontrollen schliessen. Ausserdem soll der Bach bereits vor dem Unfall massiv mit PCB belastet gewesen sein.


 

Timo Grossenbacher
Christof Schneider

SRF Data,
18. Juni 2018

Mit einem umstrittenen Computer-Tool prüfen Schweizer Justizbehörden jährlich Tausende Insassen auf ihre Gefährlichkeit. Mit Verweis auf das Öffentlichkeitsprinzip verlangte SRF Data vom Zürcher Amt für Justizvollzug den Algorithmus. Die Dokumente zeigen, dass dieser Ende 2017 angepasst und seitdem nicht überprüft worden ist. Deshalb ist nicht klar, wie zuverlässig der veränderte Algorithmus tatsächlich funktioniert.


Ludovic Rocchi
Xavier Nicol

RTS,
21. Juni 2018

Zwei RTS-Journalisten verlangten vom Verteidigungsdepartement Dokumente, welche das Interesse der Armee an Spionagesatelliten des in Payerne (VD) domizilierten Raumfahrtunternehmens Swiss Space Systems (S3) belegen. Die Firma wollte Mini-Satelliten in die Erdumlaufbahn bringen. Die Militärs schlossen dann doch keine Verträge ab. Zum Glück, denn rasch geriet das Start-up in finanzielle Schwierigkeiten.


Camille Krafft
Julien Chiffelle

Le Matin DimancheRTS,
8. Juli 2018

 

Öffentlich bezeichnete Thierry Grosjean, Ex-Staatsrat von Neuenburg, die Leiterin des Asylzentrums in Perreux (NE) als eine «gute Fee». Heute weiss man: Ein Untersuchungsbericht empfahl 2013 scharfe Massnahmen gegen sie, sogar eine Entlassung. Unter anderem wurde der Zentrumsleiterin Günstlingswirtschaft und eine problematische Nähe zu Asylbewerbern vorgeworfen. Journalisten von RTS und «Le Matin Dimanche» gingen bis vor Bundesgericht, um an den Bericht zu kommen, welchen der untätige Regierungsrat unter Verschluss hielt. 

 


Eric Breitinger

Saldo,
28. August 2018

 

Schweizer Autoimporteure, die zu viele klimaschädliche Fahrzeuge verkaufen, müssten eigentlich Bussen bezahlen. Die Namen der Händler und die Höhe ihrer Bussen waren geheim. Das Konsumentenmagazin «saldo» klagte die Informationen gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz heraus. So konnte belegt werden, dass grosse Autohändler dank Schlupflöchern im Gesetz oft ungeschoren davonkommen. Zudem basieren die amtlichen CO2-Berechnungen grösstenteils auf Herstellerangaben. Diese waren in der Vergangenheit manipuliert worden, wie der Dieselskandal zeigte.


Lucien Fluri

Solothurner Zeitung,
23. Oktober 2018

 

Monatelang haben sich die Solothurner Spitäler geweigert, Kaderarzt-Löhne bekannt zu geben. Die «Solothurner Zeitung» hat die Angaben gestützt auf das kantonale Öffentlichkeitsgesetz herausverlangt. Nach einem glasklaren Entscheid der Schlichtungsstelle («Ein besonderes öffentliches Interesse an Transparenz») informierte der Regierungsrat: Der bestverdienende Kaderarzt bringt es in Solothurn auf 886 710 Franken. Pikant: Dieser Jahreslohn ist innert fünf Jahren um 56 Prozent gestiegen. Der Lohn liegt deutlich über dem Niveau der Zürcher Stadtspitäler.


Philippe Boeglin

La Liberté,
12. November 2018

Über den lockeren Umgang mit Spesen in der Armee hatte die (nicht nominierte) NZZ* im Sommer ein erstes Mal berichtet. Nach einer Schlichtung beim Öffentlichkeitsbeauftragten konnten «La Liberté» und das (ebenfalls nicht nominierte) Tamedia-Recherchedesk* die Dimension der Spesenexzesse deutlich machen. Der Report, den die Armee geheim halten wollte, belegt einen ungehemmten Umgang hoher Militärs mit Staatsgeldern: Mehrmals jährlich hätten sie sich zu gediegenen Seminaren getroffen, mit «anständigen» Mehrgängern und «limitless Alkohol».


Barnaby Skinner
Catherine Boss
Marie Parvex
Oliver Zihlmann
Vanessa Mistric

Tagesanzeiger,
29. November 2018

Für ihr Rechercheprojekt «Implant Files» verlangten das Recherchedesk und das Datenteam von Tamedia Zugang zu Kontrollberichten von Swissmedic. Die Dokumente der Aufsichtsbehörde zeigen, dass die Behörde im ersten Halbjahr 2018 in 46 Fällen Massnahmen treffen musste. Es ging um unsterile Hüftprothesen oder Produkte, die bei uns nicht auf den Markt hätten kommen dürfen. Die Recherchen zeigen, dass das Kontrollsystem zu schwach ist: Mit 22,9 Vollzeitstellen sollen neben privaten Prüfstellen auch 1350 Med-Tech-Firmen und Hunderte Spitäler und Kliniken inspiziert werden. 


* Angestellte der Geschäftsstelle und Vorstandsmitglieder des Vereins sind vom Wettbewerb und vom Nominationsverfahren ausgeschlossen.


Kommentar schreiben

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.