Die besten Transparenz-Geschichten

Von «WOZ»-Journalisten erkämpfte Daten geben einen tiefen Einblick ins Schweizer Waffengeschäft.

Öffentlichkeitsgesetz.ch zeichnet Medienschaffende aus, die ein Öffentlichkeitsgesetz zielführend und wirkungsvoll anwenden. Zehn nominierte Beiträge werden jedes Jahr von einer breit abgestützten Fachjury bewertet. 

Prix Transparence 2020

Prix Transparence 2020: Jan Jirát, Kaspar Surber und Lorenz Naegeli, «Die Wochenzeitung»

Fünf Jahre lang kämpften sie für die Daten, die einen tiefen Einblick ins Schweizer Rüstungsgeschäft ermöglichen. Dafür wurden die «Woz»-Journalisten mit dem Prix Transparence ausgezeichnet.

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) verweigerte den Zugang zur Firmenliste zuerst hartnäckig, da Geschäftsgeheimnisse und aussenpolitischen Interessen der Schweiz tangiert seien. In einem unmissverständlichen Urteil machte das Bundesgericht dann aber klar, dass die Namen der Rüstungsexport-Firmen veröffentlicht werden müssen. Die von den «WOZ»-Journalisten erkämpften Daten geben erstmals einen tiefen Einblick ins Schweizer Waffengeschäft: Sie zeigen, wer die rund 150 im Rüstungsgeschäft tätigen Firmen sind, welche vom Bund 2017 eine Exportbewilligung erhalten haben.

Lonza und Pestizid-Verschmutzung auf Platz zwei und drei

Mit dem zweiten Platz geehrt wurde der Beitrag «Die Klimaschande von Visp» von «Tamedia»-Journalist Christoph Lenz. Mithilfe von herausverlangten E-Mails belegte er im «Magazin» ein gravierendes Umweltversagen des Lonza-Werks im Wallis und der Behörden. Ausgangspunkt seiner Recherche war die Mitteilung, dass das Chemiewerk ein Prozent der Treibhausgase der Schweiz ausstösst.

Die beiden Journalisten Mathias Gottet und Cedric Fröhlich wurden für ihren Beitrag «Das dreckige Wasserschloss» zu Pestizid-Verschmutzungen im Kanton Bern mit dem dritten Platz ausgezeichnet. Der in der «Berner Zeitung» erschienene Beitrag enthüllt mithilfe des Berner Informationsgesetzes, dass in viel mehr Trinkwasserfassungen als bisher angenommen Chlorothalonil gefunden worden war.

Insgesamt hat Öffentlichkeitsgesetz.ch 106 Beiträge aus Presse, Rundfunk und TV evaluiert, welche 2020 mithilfe eines Öffentlichkeitsgesetzes realisiert worden sind. Zehn davon wurden für den Prix Transparence 2020 nominiert.

Prix Transparence 2019

Prix Transparence 2019: Nina Blaser und Anielle Peterhans, «Rundschau»

Sie brachten die Fakten über die Preisverhandlungen zu einem Krebsmedikament auf den Tisch.  Dafür wurden die «Rundschau»-Journalistinnen mit dem Prix Transparence ausgezeichnet.

Die beschafften Akten belegen einen eigentlichen Preispoker zwischen dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) und dem Pharmakonzern Roche. Anfangs verlangt Roche pro Packung Perjeta 3950 Franken, das BAG wollte aber nur 1850 Franken bewilligen. Schliesslich setzte Roche den hohen Preis durch – und gewährte den Schweizer Krankenversicherern im Gegenzug einen Rabatt von über 2000 Franken. Ein abgekartetes Spiel, sagt ein Experte im «Rundschau»-Beitrag: Roche habe einen Schaufensterpreis aushandeln wollen: «Je höher der Schweizer Preis ist, desto eher kann man auch im Ausland einen hohen Preis verlangen.»

IV-Ärzte und Praktikantinnen-Löhne auf Platz zwei und drei

Mit dem zweiten Platz prämiert wurde der Beitrag von «Sonntags-Blick»-Journalist Thomas Schlittler. Gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz hat er vom Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) eine Liste mit IV-Gutachtern herausverlangt. Eine Auswertung der Zahlen zeigte, dass die IV-Stellen die Aufträge einseitig vergeben haben. Den Behörden genehme Ärzte kassierten so über Jahre Millionen.

Der Solothurner Journalist Lucien Fluri wurde mit dem 3. Platz ausgezeichnet. Er ist mithilfe des Solothurner Informationsgesetztes an Dokumente gelangt, die ein gravierendes Lohndumping bei Praktikantinnen in Kindertagesstätten belegen. Drei bis vier Franken Stundenlohn sind hier an der Tagesordnung. Die Jugendlichen, die auf eine Lehrstelle spekulieren, sind teils mehrere Jahre so angestellt – und das ohne Aussicht auf einen Ausbildungsplatz.

Insgesamt hat Öffentlichkeitsgesetz.ch 66 Beiträge aus Presse, Rundfunk und TV evaluiert, welche 2019 mithilfe eines Öffentlichkeitsgesetzes realisiert worden sind. Zehn davon wurden für den Prix Transparence 2019 nominiert.

Prix Transparence 2018

Prix Transparence 2018: Philippe Boeglin, «La Liberté»

Alpenbitter-Orgien und Heliflüge für Offiziers-Gattinnen: Medienschaffende enthüllten mithilfe des Öffenlichkeitsgesetzes Spesenexzesse der Armee. Philippe Boeglin wurde dafür ausgezeichnet.

Zuerst wollte die Armee den von Boeglin herausverlangten Untersuchungsbericht geheim halten. Darin wird ein ungehemmter Umgang hoher Militärs mit Staatsgeldern dokumentiert: Mehrmals jährlich hätten sich diese zu gediegenen Seminaren getroffen, mit «anständigen» Mehrgängern und «limitless Alkohol».  Partnerinnen von hohen Militärs wurden für Zehn­tau­sen­de Franken in Helikoptern zu Seminaren geflogen. Nach einer Schlichtung beim Öffentlichkeitsbeauftragten des Bundes konnte «La Liberté» das Ausmass der Spesenexzesse deutlich machen.

Quecksilber und PCB auf Platz zwei und drei

Mit dem zweiten Platz prämiert wurde 2018 eine Medienvereinigung, bestehend aus Walliser Bote, Le Nouvelliste, dem Westschweizer Fernsehen RTS und Le Temps. Die Medienschaffenden David Biner, Julien Robyr, Marie Giovanola und Xavier Lambiel hatten vor einem Jahr von den Walliser Behörden einen Untersuchungsbericht zur Historie der Quecksilberverschmutzung durch das Chemiewerk Lonza herausverlangt. Anhand des Dokuments konnten sie zeigen, wie die Behörden das gravierende Umweltproblem ignoriert und dadurch verschärft hatten.

Die Bündner Journalistin Stefanie Hablützel wurde mit dem 3. Platz ausgezeichnet. Sie hat für die Zeitschrift Der Beobachter zu einer Umweltpanne bei der Sanierung der im Kanton Graubünden gelegenen Staumauer Punt dal Gall recherchiert. Unterlagen, welche sie gestützt auf das kantonale Öffentlichkeitsgesetz herausverlangt hatte, lassen auf ungenügende Kontrollen schliessen. 2016 gelangten vermutlich grosse Mengen der krebserregenden Industriechemikalie PCB ins Wasser.  

Insgesamt hat Öffentlichkeitsgesetz.ch 46 Beiträge aus Presse, Rundfunk und TV evaluiert, welche 2018 mithilfe eines Öffentlichkeitsgesetzes realisiert worden sind. Zehn davon wurden für den Prix Transparence 2018 nominiert.