Die unethischen Geldanlagen der Zürcher Landeskirche

Kritische Fragen zur Anlagepolitik: Kirchenparlament im Kanton Zürich.

Von Julia Rippstein. Investiert die reformierte Kirche Zürichs ihr Vermögen ethisch korrekt und nachhaltig? Zwei Bürger kämpften bis vor Bundesgericht, um auf die Frage eine Antwort zu erhalten.

Vor drei Jahren verlangten Peter Fischer und Karl Stengel bei der Exekutive der reformierten Kirche des Kantons Zürich, dem Kirchenrat, Einblick in die Auszüge der Wertschriftendepots – und stiessen auf erbitterten Widerstand. 

Bei Offenlegung sei Anlagepolitik gefährdet

Die Kirchenverwaltung verweigerte den Zugang zu den Depot- und Kontoauszügen der Jahre 2016 und 2018 über rund acht Millionen Franken – obwohl für die Verwaltungen der Landeskirchen im Kanton Zürich das Öffentlichkeitsprinzip gilt. Die Begründung: Eine sichere und rentable Anlagepolitik sei gefährdet. Die beiden Mitglieder der Synode (des Kirchenparlaments) erhielten lediglich summarische Angaben über die Währungen der Anlagen oder die Höhe des Aktienanteils.

Die beiden engagierten Reformierten fochten diesen Entscheid bei der Rekurskommission der Landeskirche an, welche die Beschwerde an das kantonale Verwaltungsgericht überwies. Nach einem ablehnenden Entscheid der Zürcher Richter bekamen die Beiden schliesslich vor Bundesgericht recht. Das Urteil hat Signalwirkung auch für andere Kantone, in denen Landeskirchen den kantonalen Öffentlichkeitsgesetzen unterstehen.

 

 
 
In diesen Kantonen gilt das Öffentlichkeitsprinzip auch für die Kirchen

     
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Am meisten bei Nestlé und Novartis

In seinem Urteil hat die höchste Gerichtsinstanz der Schweiz bestätigt, dass die verlangten Informationen vom Öffentlichkeitsprinzip erfasst sind. Die reformierte Kirche händigte den Antragstellern daraufhin Depotauszüge aus den Jahren 2016 und 2017 aus.

Diese zeigen, dass die Kirche nicht konsequent nach sozialen, ethischen oder ökologischen Aspekten investiert hat. Das Anlagevermögen besteht zu rund 42 Prozent aus Titeln von Banken, Versicherungen, Finanz- und Beteiligungsgesellschaften, darunter UBS, Swiss Life und Zurich Insurance. 26 Prozent entfallen auf den Dienstleistungs- und Industriesektor und Firmen wie Nestlé, Novartis, Roche oder Givaudan.

In der Schweiz investieren die Zürcher Reformierten vor allem in Nestlé (3000 Namensaktien), Novartis (2400 Aktien) und Roche (700 Genussscheine). Ferner hält die Kirche Aktien des britisch-australischen Bergbaukonzerns Rio Tinto und des Erdölkonzerns Total.

Für die zwei Synodalen sind die Investitionen bei Nestlé, Novartis und UBS besonders problematisch, da es sich hier um keine ökologisch vertretbaren Anlagen handle. Dasselbe gelte für Pfizer, Siemens und Total. Die 20000-Franken-Beteiligung an Rio Tinto sei «mehr als fragwürdig»: Die Firma wird von Umweltorganisationen harsch kritisiert.

«Wir haben diese Aktien mittlerweile verkauft», sagte Dieter Zaugg, Leiter Ressourcen der Reformierten Kirche des Kanton Zürich, gegenüber dem «Landboten». Hingegen nimmt Zaugg das Investment in Nestlé – kritisiert für sein Geschäft mit dem Wasser – in Schutz: Das Unternehmen sei in Sachen Nachhaltigkeit auf einem guten Weg.

Strengeres Reglement

Immerhin: Inzwischen hat der Zürcher Kirchenrat ein strengeres Anlagereglement eingeführt. Allerdings sei der Kirchenrat nach wie vor nicht bereit, seine Wertschriften regelmässig und umfassend zu publizieren, kritisieren die beiden Transparenz-Vorkämpfer. Ein neues Zugangsgesuch betreffend aktuellen Depotauszügen haben sie bereits eingereicht.

 

 

 

 


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