Ran an die Dokumente von Verwaltung und Behörden

STOLL: Tamedia finanziert die Initialkosten: 20 000 Franken plus zwei Monate Arbeit von Catherine Boss und mir. „K-Tipp”-Verleger René Schuhmacher unterstützt uns ebenfalls. Der Verein, der die Site betreibt, ist aber völlig unabhängig. An Kosten kommt die Übersetzung für die französische Version dazu, die die Oertli-Stiftung bezahlt. Die Mittel für eine englische Version – damit auch ausländische Kollegen einen Antrag stellen können – fehlen uns momentan noch. Für den Betrieb der Site und für den Blog möchten wir einen halben Tag pro Woche jemanden anstellen. Doch bis jetzt ist es uns noch nicht gelungen, die Mittel dafür über Stiftungen zu beschaffen.

Wer unterstützt eure Initiative sonst noch?

STOLL: Ideell unterstützt werden wir auch von der Konferenz der ChefredaktorInnen.

ZUMSTEIN: Das Schweizer Fernsehen ist ebenfalls interessiert daran, nicht zuletzt deshalb, weil man die Erfahrungen mit dem BGÖ in die Ausbildungen mit einbeziehen möchte. Es wäre überhaupt wichtig, dass junge Medienschaffende in allen Medienschulen intensiv zum Öffentlichkeitsgesetz geschult werden.

Tamedia finanziert eure Initialkosten, hat aber bei ihren Redaktionen gespart.

STOLL: Unser Projekt wurde im Rahmen des Tamedia-Förderpreises möglich. Damit initiiert Verleger Pietro Supino gezielt publizistische Projekte. Zum Glück ist diese Innovation nicht weggespart worden. Dass der Verlag – ohne viel direkten Eigennutz – hier Geld investiert, finde ich löblich. Auch wenn es nicht um die Summen geht, wie sie bei einem Personalabbau zur Debatte stehen.

ZUMSTEIN: Der Verein ist nach seinen Statuten unabhängig, im Vorstand sind Journalisten aus verschiedenen Medienhäusern vertreten. Ich finde es super, dass ein Verlag für den Start des Projekts Geld zur Verfügung gestellt hat.

Es gibt ja allgemein Spartendenzen – und wenn niemand Zeit für Recherchen hat, nützt das Instrument auch nichts.

ZUMSTEIN: Wir können nur hoffen, dass sich das wieder korrigiert.

Ist es überhaupt Aufgabe von Journalisten, solche Transparenz-Hilfsmittel aufzubauen?

STOLL: Der Öffentlichkeitsbeauftragte hätte eigentlich die Pflicht, das Gesetz bekannt zu machen. Aber der Staat gibt ihm die Mittel dafür nicht.

ZUMSTEIN: Es wäre vielleicht auch eine Aufgabe der Journalistenverbände, ihre Mitglieder diesbezüglich zu schulen. Nun ist es eben eine Initiative einer Gruppe von Journalisten, die sich an der „Global Investigative Journalism Conference” in Genf gebildet hat, weil wir festgestellt haben, dass ein wirkungsvolles Instrument quasi im Dornröschenschlaf liegt.

Ihr stellt allen Journalisten ein Recherche-Hilfsmittel zur Verfügung. Dabei ist die Konkurrenz unter Journalisten – Stichwort Primeurs – ja sehr gross.

ZUMSTEIN: Es stört mich überhaupt nicht, wenn andere Recherche-Journalisten gute Geschichten machen, im Gegenteil.

Ich habe auch schon bisher immer wieder mit gewissen anderen Journalisten, die ebenfalls an einem bestimmten Thema dran waren, Informationen ausgetauscht.

STOLL: Das Öffentlichkeitsgesetz ist ein Instrument für alle. Damit fördern wir den Recherche-Journalismus als Ganzes. Wir Journalisten müssen dieses Gesetz entwickeln, damit es ein Arbeitsinstrument bleibt. Wir sind nur gemeinsam stark.

Das Gespräch führte Bettina Büsser am 25. Mai 2011 in Zürich.

Mitarbeit: Philipp Cueni

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