Die Rundschau gewinnt den Prix Transparence 2019

«Hartnäckig drangeblieben»: Die TV-Journalistinnen Peterhans und Blaser.

Von Martin Stoll. Sie kämpften hartnäckig und brachten die Fakten über die Preisverhandlungen zu einem Krebsmedikamen auf den Tisch.  Dafür werden die Journalistinnen Nina Blaser und Anielle Peterhans mit dem Prix Transparence 2019 ausgezeichnet.

Schweizer Medienschaffende enthüllten vergangenes Jahr mit den Öffentlichkeitsgesetzen viel Relevantes: die zweifelhaften Lobby-Aktivitäten eines Chefbeamten, den aus der Staatskasse bezahlten Partei-Ausflug. Zur besten Transparenzstory des Jahres 2019 kürte eine ChefredaktorInnen-Jury einen «Rundschau»-Beitrag zum Krebsmedikament «Perjeta».

Die von den beiden TV-Journalistinnen beschafften Akten belegen einen eigentlichen Preispoker zwischen dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) und dem Pharmakonzern Roche. Anfangs verlangt Roche pro Medikamenten-Packung 3950 Franken, das BAG wollte aber nur 1850 Franken bewilligen. Schliesslich setzte Roche den hohen Preis durch – und gewährte den Schweizer Krankenversicherern im Gegenzug einen Rabatt von über 2000 Franken.

Ein abgekartetes Spiel, sagt ein Experte im «Rundschau»-Beitrag: Roche habe einen Schaufensterpreis aushandeln wollen: «Je höher der Schweizer Preis ist, desto eher kann man auch im Ausland einen hohen Preis verlangen.»

Sorgfältige Umsetzung beeindruckte die Jury

Diesen Mechanismus enthüllte die «Rundschau». Dafür analysierten die TV-Macherinnen Hunderte Seiten Behördenakten – und kämpften vor dem Öffentlichkeitsbeauftragten des Bundes für die Offenlegung von geschwärzten Dokumenten. «Nina Blaser und Anielle Peterhans sind hartnäckig geblieben, obwohl das BAG und Roche den Preispoker um Perjeta kleinreden wollten», sagt Jury-Mitglied Martina Fehr. Die Chefredaktorin der «Südostschweiz» und designierte MAZ-Direktorin lobt die sorgfältige Umsetzung des Stoffs und den Bezug zu einer von Krebs betroffenen Patientin: «Das ist ein sehr toller Beitrag, der nachhallt.»

Öffentlichkeitsgesetz.ch verleiht den Prix Transparence zum zweiten Mal. Damit ausgezeichnet werden Medienschaffende, welche ein Öffentlichkeitsgesetz zielführend und wirkungsvoll anwenden. Ein Pokal, der vom Berner Kunstglaser Daniel Stettler aus Berner Amtshaus-Sandstein und Glas geschaffen worden ist, wurde den «Rundschau»-Journalistinnen in Zürich-Leutschenbach übergeben.

IV-Ärzte und Praktikantinnen-Löhne auf Platz zwei und drei

Mit dem zweiten Platz prämiert wurde der Beitrag von «Sonntags-Blick»-Journalist Thomas Schlittler. Gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz hat er vom Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) eine Liste mit IV-Gutachtern herausverlangt. Eine Auswertung der Zahlen zeigte, dass die IV-Stellen die Aufträge einseitig vergeben haben. Den Behörden genehme Ärzte kassierten so über Jahre Millionen.

Der Solothurner Journalist Lucien Fluri wurde mit dem 3. Platz ausgezeichnet. Er ist mithilfe des Solothurner Informationsgesetztes an Dokumente gelangt, die ein gravierendes Lohndumping bei Praktikantinnen in Kindertagesstätten belegen. Drei bis vier Franken Stundenlohn sind hier an der Tagesordnung. Die Jugendlichen, die auf eine Lehrstelle spekulieren, sind teils mehrere Jahre so angestellt – und das ohne Aussicht auf einen Ausbildungsplatz.

Insgesamt hat Öffentlichkeitsgesetz.ch 66 Beiträge aus Presse, Rundfunk und TV evaluiert, welche 2019 mithilfe eines Öffentlichkeitsgesetzes realisiert worden sind. Zehn davon wurden für den Prix Transparence 2019 nominiert.


Kommentar schreiben

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.