Pflanzenschutzmittel-Studie: Nur ein bisschen Einsicht

(Foto:  RDB/Anton J. Geisser) Im Schlussbericht zu Agro-Chemikalien fehlten die umfassenden Resultate. (Foto: RDB/Anton J. Geisser)

Von Eveline Dudda. Das Bundesamt für Landwirtschaft gibt auf Anfrage zu einer Studie über Lenkungsabgaben zwei kleine Listen mit Herbiziden und Fungiziden heraus. Vom grossen Rest will das BLW nichts wissen.

 

Für 95 000 Franken beauftragte das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) die ETH mit einer Studie über die Wirkung von Lenkungsabgaben auf Pflanzenschutzmittel. Darin kommt der Verfasser zum Schluss, dass Lenkungsabgaben etwas bringen könnten, wenn Pflanzenschutzmittel mit einem hohen Gefährdungspotential für Umwelt, Mensch und Biodiversität durch Pflanzenschutzmittel mit einem tieferem Gefährdungspotential ersetzt werden. Namen von Produkten und Wirkstoffen mit hohem und mit tiefem Gefährdungspotential sucht man in der 228-seitigen Untersuchung vergebens. Angeblich weil «eine komplette Darstellung aller Ergebnisse in diesem Bericht nicht möglich ist». 

Um die Studienergebnisse mit Praktikern diskutieren zu können, habe ich beim BLW Zugang zu den vollständigen Ergebnissen verlangt. Das BLW hatte die «Ökonomische Analyse des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln» nicht nur in Auftrag gegeben, sondern auch mit einer hochkarätigen Begleitgruppe überwacht. Neben Simon Briner, dem persönlichen wissenschaftlichen Mitarbeiter von BLW-Direktor Bernard Lehmann, hatten auch die stellvertretende Direktorin Eva Reinhard und Vizedirektorin Andrea Leute in der 11-köpfigen Begleitgruppe Einsitz. Trotzdem (oder gerade deshalb?) ging’s im Schlussbericht nicht zur Sache: Von mehreren Hundert analysierten Pflanzenschutzmitteln wurden gerade mal 20 Herbizide und 20 Fungizide aufgeführt. Und die waren auf Wunsch der BLW-Begleitgruppe zuvor anonymisiert worden.  

 

Meinem BGÖ-Gesuch entsprach das BLW nur teilweise. Zehn Tage nach Antragstellung gab es zwar die Produktnamen der 20 Herbizide und 20 Fungizide bekannt. Aber nicht die Liste mit den vollständigen Berechnungen. Diese Liste will das BLW, laut Sprecher Jürg Jordi, nicht einmal besitzen. Bei der ETH tönte es ein wenig anders: «Die ‹vorläufige› Liste wurde von Herrn Finger und seinem Team im Rahmen der Zusammenarbeit mit dem BLW erstellt.» Die komplette Darstellung sei aber nicht Bestandteil der Studie und des Berichtes gewesen, weshalb man auch nicht vorhabe sie herauszugeben.

Es ist nicht das erste Mal, dass das BLW eine Akteneinsicht abwimmelt, indem es behauptet die gewünschten Dokumente nicht zu haben. Das war bereits 2013 der Fall. Damals mimte die Behörde kooperatives Verhalten indem es Einsicht in sieben Verfügungen gewährte, die wegen Missbrauchs der Verkäsungszulage ausgestellt worden waren. Alle anderen Verfügungen hielt es zurück. Doch es war klar, dass mindestens eine Verfügung fehlte. Auf mehrfaches Nachfragen reagierte das BLW nicht etwa mit Akteneinsicht, sondern mit Auskunftsverbot. Erst einige Monate später rückte das Amt sieben weitere Verfügungen heraus.  

 

 


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