Keine rasche Besserung bei Spital-Transparenz in Sicht
Beträchtliche Unterschiede bei Dienstleistungen: Operationssaal im ambulanten Zentrum des Stadtspitals Zürich an der Europaallee. (Foto: Michael Buholzer/Keystone)Von Céline Graf. Nach dem Maisano-Skandal in Zürich: Die Transparenz beim Qualitätsvergleich von Spitälern bleibt eine zähe Angelegenheit. Expertinnen und Experten warnen vor ungesunden Folgen.
Patientinnen und Patienten sollen wissen, in welchen Spitälern sie die beste Behandlung für ein medizinisches Problem bekommen. Dieser Grundsatz ist in der Schweiz gesetzlich verankert: Das Krankenkassengesetz (KVG) verpflichtet den Bund, Daten zur Qualität für einen Betriebsvergleich zwischen den Spitälern offenzulegen.
Der grosse Qualitätsvergleich fehlt
Zwar publiziert das Bundesamt für Gesundheit (BAG) in einer öffentlichen Datenbank gewisse «Qualitätsindikatoren der Schweizer Akutspitäler», anhand welcher Spitäler auch miteinander verglichen werden können. Allerdings muss einiges an Fachwissen und Geduld mitbringen, wer die Wegleitungen lesen und aus der Datenbank Erkenntnisse gewinnen will. Zudem fehlt in der Schweiz, im Gegensatz etwa zu den USA, Grossbritannien, Skandinavien oder Deutschland, ein nationales Ranking oder Ampelsystem, das Spitäler systematisch miteinander vergleicht.
Anfang Mai wurden missbräuchliche Operationen und Todesfälle am Universitätsspital Zürich unter dem ehemaligen Herzklinik-Direktor Francesco Maisano publik. Als Konsequenz fordern Parlamentarierinnen und Parlamentarier wie der FDP-Ständerat Damian Müller und Fachleute wieder dringlicher Transparenz über die Qualität von Spitälern.
Die Unterschiede sind je nach medizinischem Gebiet beträchtlich, wie der Vergleich von über 100 Spitälern in einer 2024 veröffentlichten Studie der Berner Fachhochschule (BFH) ergeben hat. Patienten und Patientinnen lassen sich oft nicht in dem Spital behandeln, das für ihren Fall am besten wäre – schlicht deshalb, weil ihnen hierzu die Information fehle. Das sagte der Leiter der Studie, Tobias Müller, Professor für Gesundheitsökonomie und Gesundheitspolitik, gegenüber der «NZZ». Man entscheide sich dann etwa eher aufgrund von Nähe oder Komfort für ein Spital. Ein Fehler, so Müller: «Gerade die Nähe ist ein problematischer Indikator, der wenig mit der Behandlungsqualität zu tun hat.»
Widerstand gegen mehr Transparenz
Die BFH hat für die Studie eine Messmethode entwickelt, mit der sich die Qualität von Spitälern bei «selektiven Eingriffen», bei denen Patienten oder Patientinnen freie Spitalwahl haben, repräsentativ und zuverlässig erheben und vergleichen lasse. Ein solches Ranking würde den Wettbewerb fördern und schlechte Spitäler unter Druck setzen, zu handeln, argumentiert Tobias Müller. Die Spitäler lobbyierten allerdings seit Jahren erfolgreich gegen politische Reformen, kritisiert er. Die Wissenschaft erhielt von den Spitälern nur anonymisierte Daten. Experten und Expertinnen bezeichnen fehlende Transparenz als eines der grössten Probleme im Schweizer Gesundheitswesen.
Interessanterweise geben hier ausgerechnet Krankenkassen, die ihrerseits eine starke Lobby im Bundeshaus haben, Impulse. Die Swica hat einen Teil der BFH-Studie finanziert, und die Concordia arbeitet mit einem internen Bewertungssystem, auf Basis dessen sie Versicherten für bestimmte Behandlungen Spitäler empfiehlt.
BAG vertröstet auf 2031
Bis zu einem offiziellen Qualitätsvergleich dürften sich die Patienten und Patientinnen noch länger gedulden. Das BAG versprach auf Anfrage der «NZZ», bis 2031 «zusätzliche Daten» zu Spitälern aufzuschalten. Vorausgesetzt seien allerdings «hochwertige und vergleichbare Daten der Spitäler». Der Spitalverband H+ liess wiederum ausrichten, man sei nicht gegen Transparenz, aber gegen «Scheingenauigkeit»; Zahlen zwischen grossen und kleinen Spitälern seien schwer vergleichbar. Motivation klingt anders.




















