Das Geld des Investors, die Bergbahnen und die Medien

Alles in Ordnung? Investor Vitek erklärt sich am 6. Dezember an einer Informationsversammlung über die Zukunft der Bergbahnen in Crans-Montana. (Foto: Keystone/Maxime Schmid)

Von Julia Rippstein. Um Licht in Finanzflüsse des tschechischen Milliardärs Radovan Vitek zu bringen, verlangten Westschweizer Medien Zugang zu Geschäftsberichten der Bergbahnen Crans-Montana. Nach heftigem Widerstand lenken die betroffenen Walliser Gemeinden jetzt ein. 

Zugangsgesuche hatten Journalisten von Canal9 und Le Nouvelliste bei den Walliser Gemeinden Crans-Montana, Lens und Icogne eingereicht. Die Berichte – so ihre Vermutung – enthielten Hinweise auf mögliche Straftaten, zu denen es bei der Reapitalisierung der Bergbahnen durch den Investor gekommen sein könnte.

Über Unregelmässigkeiten berichtete zuvor Le Matin Dimanche. Die Bergbahnen von Crans-Montana (CMA) wurden 2016 fast vollständig vom 56-jährigen Milliardär Radovan Vitek übernommen: Er besitzt heute 85 Prozent des Aktienkapitals, die Gemeinden nur noch 11 Prozent.

Sieben Tage nachdem die Regionalmedien bei den Gemeinden Zugang zu den Geschäftsberichten verlangt hatten, lehnten diese am 11. Oktober das Gesuch ab. Doch die Medienschaffenden gaben sich nicht geschlagen und leiteten ein Schlichtungsverfahren ein. Daran beteiligen sich weitere Westschweizer Medien: Neben Le Matin Dimanche auch RTS und Le Temps.

An der Schlichtungssitzung Ende November führten die Gemeinden ins Feld, durch die Offenlegung sei der Abschluss einer Vereinbarung mit CMA gefährdet. Noch befinde man sich in der Verhandlungsphase, argumentierte laut Le Nouvelliste der Anwalt der Gemeinden, Grégoire Varone. Weiter behaupteten die Gemeindepräsidenten, die Dokumente seien nicht definitiv, es handle sich um Arbeitspapiere. Davon hielt der Walliser Transparenzbeauftragte, Sébastien Fanti, indessen wenig.

Offenlegung unter Vorbehalt

Zwei Tage nach der Schlichtungssitzung schlugen die Gemeinden vor, die Unterlagen zu liefern, jedoch unter Vorbehalten: Die Offenlegung erfolge erst im Januar und nur wenn die Staatsanwaltschaft sie nicht verlange. Wegen Verdacht auf strafbare Handlungen bei der Kapitalerhöhung der CMA hatte diese eine Voruntersuchung eröffnet. Das Strafgesetzbuch sei höher zu gewichten als das kantonale Öffentlichkeitsgesetz, argumentierten die Gemeinden.

Noch am gleichen Tag verlangte die Staatsanwaltschaft die Berichte. Die Journalisten waren empört: Das könne kein Zufall sein, so wolle man verhindern, dass die Unterlagen öffentlich würden, kritisierten die Medienschaffenden. Auch der Öffentlichkeitsbeauftragte Fanti bemängelte das Vorgehen und schrieb in einer Empfehlung, die Berichte müssten unverzüglich zugänglich gemacht werden

Die Hartnäckigkeit der Journalisten scheint sich gelohnt zu haben: Die Gemeinden entschieden sich kürzlich doch noch für die Veröffentlichung. Im Moment sind sie daran, die Dokumente gemeinsam mit Fanti für die Publikation vorzubereiten. Einzelne Namen und heikle Passagen müssten noch geschwärzt werden, hiess es.

Retter in der Krise

Die Seilbahnen von Crans-Montana stecken seit Jahren in einer Krise. Bis 2003 gehörten sie mehrheitlich sechs Gemeinden. Diese waren gezwungen, immer mehr Geld in die Gesellschaft zu investieren. 2013 kam der tschechische Milliardär und Immobilienunternehmer Radovan Vitek ins Spiel. Er «rettete» die Skilifte. Zuerst besass er 10 Prozent der Gesellschaft, heute sind es über 85 Prozent. Vitek wohnt in Crans-Montana und investiert viel Geld in der Region. Neben den Bergbahnen gehören ihm auch die Restaurants und Parkplätze des Bergdorfes. Zudem plant er die Errichtung einer Klinik sowie ein neues Resort mit Hotels und Luxuswohnungen.


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