Das sind die Nominierten für den Prix Transparence 2025
Mit den Öffentlichkeitsgesetzen von Bund und Kantonen brachten Medienschaffende im vergangenen Jahr Missstände ans Licht. Die besten Beiträge sind für den Prix Transparence vorgeschlagen.
Medienschaffende aus 57 Redaktionen setzten im vergangenen Jahr 162 Beiträge um. Vorstand und Geschäftsstelle von Öffentlichkeitsgesetz.ch haben die besten ausgewählt. Eine Fachjury beurteilt jetzt die nominierten journalistischen Projekte. Zum vierten Mal wird dieses Jahr auch der beste Regionalbeitrag gekürt. Diese Arbeiten stehen zur Wahl:
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Maj-Britt Horlacher SRF Investigativ |
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Mit teils fragwürdigen und falschen Argumenten wehrte sich die Industrie gegen ein angestrebtes Verbot von PFAS-Chemikalien in der EU. Das zeigt eine internationale Recherche mit 180 Zugangsgesuchen, an welcher «SRF Investigativ» im Rahmen des «Forever Pollution Project» teilgenommen hat. Die Recherche zeigt auch: Grosskonzerne mit Sitz in der Schweiz spielen eine zentrale Rolle in der Lobbyarbeit.
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Lukas Häuptli |
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Die Verhältnisse im Flüchtlingslager von Samos in Griechenland sind desaströs, insbesondere im Teil für unbegleitete minderjährige Asylsuchende. Das zeigen interne Dokumente des Staatssekretariats für Migration, welche die «Republik» und «WAV» erhalten haben. Die Schweiz, die den Betrieb des Lagers mitfinanziert, war seit Monaten über die «prekäre» Lage informiert. |
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Jennifer Steiner Das Lamm, |
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Das «WAV Recherchekollektiv» hat Einsicht in über 1000 Seiten zu Frontex erhalten – nach jahrelangen, zähen Verhandlungen mit dem Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG). Die Dokumente zeigen unter anderem: Schweizer Verwaltungsangestellte sind dort im Einsatz, wo systematische Menschenrechtsverletzungen geschehen. Eine vierteilige Serie beleuchtet die Rolle der Schweiz an den europäischen Aussengrenzen. |
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Lukas Lippert Beobachter, |
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Eine Frau verspielt in vier Monaten mehr als ihren Jahreslohn – ohne dass das Grand Casino Baden eingreift. Dabei sind Casinos stark reguliert: Die Konzession erhalten sie nur, wenn «angemessene Massnahmen zum Schutz der Spieler vor exzessivem Geldspiel» getroffen werden. Eine Recherche des «Beobachters» mit dem Öffentlichkeitsgesetz zeigt: Die vom Grand Casino Baden angesetzten Limiten sind viel zu hoch. |
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Ruedi Studer Blick, |
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Auf elektronisch bezahlte Trinkgelder sollen künftig AHV-Beiträge erhoben werden, sofern sie einen wesentlichen Teil des Arbeitsentgelts ausmachen. Statt dass Behörden wie bis anhin kulant darüber hinwegschauen, sollen sie damit der AHV 20 bis 50 Millionen einbringen. Die Details dazu wurden durch ein Aussprachepapier von Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider bekannt, das der «Blick» einsehen konnte. |
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Fabian Eberhard Sonntagsblick, |
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Eine bilaterale Anerkennung Palästinas durch die Schweiz sei aus völkerrechtlicher Sicht möglich. Zu diesem Schluss kommt ein dreiseitiger Bericht von Experten der Direktion für Völkerrecht. Das Aussendepartement wollte diesen Bericht zuerst unter Verschluss halten – gab ihn «Sonntagsblick» aber einige Wochen vor der angesetzten Schlichtungsverhandlung mit dem Öffentlichkeitsbeauftragten doch noch heraus. |
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Markus Fehlmann K-Tipp, |
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Auf Schweizer Strassen sind wohl Zehntausende unsichere Autos unterwegs. Der «K-Tipp» hat vom Bundesamt für Strassen (Astra) gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz eine Liste mit Rückrufen von Autos mit schwerwiegenden Mängeln herausverlangt. Hersteller müssen das Bundesamt für Strassen bei Sicherheitsmängeln informieren. Doch vom Amt haben sie wenig zu befürchten: Es setzt keine Frist und prüft Rückrufe nur stichprobenartig. |
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Stefanie Pauli NZZ am Sonntag, |
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Anfang November übte der Bund das Vorgehen bei einem hybriden Angriff auf die Schweiz. Doch das zentrale IT-System, das alle Meldungen bündelt und den kantonalen Krisenstäben ein schweizweites Lagebild liefert, funktionierte nicht. Das zeigen Recherchen der «NZZ am Sonntag» basierend auf dem Schlussbericht zur Übung – dieser legt gravierende Mängel im Amt für Bevölkerungsschutz dar. |
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Jennifer Steiner Republik, |
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In einer zweiteiligen Serie hat die «Republik» in Zusammenarbeit mit dem «WAV Recherchekollektiv» zum umstrittenen US-Tech-Unternehmen Palantir recherchiert. Interne Dokumente zeigen, wie während sieben Jahren versucht wurde, den Schweizer Bundesbehörden Überwachungstechnologie zu verkaufen. Zudem dient Palantir Zürich als Drehscheibe für seine Geschäftsbeziehungen in ganz Europa. |
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Stefanie Hasler SRF Investigativ, |
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Zwei junge Frauen werden im September 2020 von einem Autofahrer verletzt – mit Absicht. Recherchen von «SRF Investigativ» zeigen, dass es sich um das erste Incel-Attentat der Schweiz handelt. Das Bundesamt für Polizei listet die Amokfahrt als Fall von Incel-Extremismus auf. Das zeigt eine interne Kurzanalyse zur Incel-Bewegung aus dem Jahr 2022, die «SRF Investigativ» vorliegt. |
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Für den Prix Transparence Regio nominiert sind:
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Tobias Marti NZZ, |
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Die «NZZ» hat bei der Stadtpolizei Zürich Einsicht in die Polizeikosten für Fussballspiele verlangt. Dabei zeigt sich, dass die Klubs wegen eines Verteilschlüssels maximal die Hälfte der Kosten übernehmen. Zudem sind diese gedeckelt: Jeder Verein muss maximal eine halbe Million Franken pro Jahr bezahlen. Für die Hauptlast muss die Allgemeinheit aufkommen – über die letzten zehn Jahre beziffert sie sich auf mehrere Millionen Franken. |
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David Vonplon NZZ, |
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Die BKW soll die Behörden im Zusammenhang mit dem Bauprojekt einer alpinen Solaranlage im Berner Oberland irregeführt und getäuscht haben. So seien etwa die Beeinträchtigungen für die Wildtiere beschönigt worden. Diese Beschuldigung erhebt ein Beratungsbüro in einem Brief an den Berner Regierungsrat Christoph Ammann, den die «NZZ» gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz einsehen konnte. |
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Sandro Büchler St. Galler Tagblatt, |
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Zwei Chemieunfälle beim Verpackungskonzern Amcor Flexibles Rorschach in Goldach SG verschmutzten den Bodensee mit tonnenweise giftigem Löschschaum. Das zeigt eine dreiteilige Recherche des «St. Galler Tagblatt». Dabei musste die Redaktion zwei Mal bis vor das Bundesgericht ziehen, weil Amcor die Herausgabe der Strafakten verhindern wollte. Zwei Mal bekam die Redaktion recht. |
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Stéphanie Arboit Le Temps, |
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Der Kanton Waadt hat Wohlhabende 13 Jahre lang zu tief besteuert. Dies legt ein Bericht nahe, den «Le Temps» einsehen konnte. Mit dem sogenannten Steuerschild sollten reiche Personen von einer Abwanderung abgehalten werden. Obwohl der Fehler seit 2018 bekannt war, haben die kantonalen Behörden ihn erst 2022 behoben. Dutzende Millionen Franken sollen so dem Kanton entgangen sein. |
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Marie Maurisse 24 heures, |
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In der Schweiz sind die Kantone für die Zulassung und Kontrolle der Gesundheitsberufe zuständig. Im Kanton Waadt wurden 2024 vier Berufsverbote und zehn Verwarnungen ausgesprochen – doch statt die Öffentlichkeit transparent über die Gründe zu informieren, bleiben die Informationen unter Verschluss. Das zeigen Recherchen von «24 heures» gestützt auf das kantonale Öffentlichkeitsgesetz. |
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Camille Krafft Blick Romandie, |
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«Blick Romandie» hat gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz des Kantons Waadt Einsicht in fünf Polizeiberichte erhalten, die im Anschluss an Ausschaffungen von Familien aus dem Kanton Waadt nach Kroatien erstellt wurden. Diese Dokumente zeigen die emotionalen und physischen Belastungen der betroffenen Familien sowie den Einsatz von zahlreichen Sicherheitskräften auf. |
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Pascal Ritter CH Media, |
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Die Linkskurve auf der Albulastrasse, auf welcher der Radrennfahrer Gino Mäder während der Tour de Suisse 2023 tödlich verunglückte, galt bereits zweieinhalb Monate vor dem Start des Radrennens als Unfallschwerpunkt. Die «CH Media»-Redaktion konnte diverse Akten dazu einsehen. In einem Bericht wurden zahlreiche Massnahmen empfohlen. Doch der Kanton Graubünden verzichtete auf eine Priorisierung der Massnahmen an dieser Stelle. |
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Romaric Haddou Le Matin Dimanche, |
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Die Probleme bei der Lausanner Polizei ähneln sich seit Jahrzehnten. Dies zeigt unter anderem ein interner Bericht, den «Le Matin Dimanche» einsehen konnte. Dieser hatte 2007 Missstände in der Einsatzpolizei (Police Secours) von Lausanne untersucht. Darin ist die Rede von vielfältigen Formen von Gewalt gegen die Bevölkerung, aber auch von internen Problemen wie Sexismus oder gefälschten Berichten. |
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Marc Menichini RTS «Pôle enquête», |
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Die Renovierung des Frauengefängnisses La Tuilière in Lonay wird statt der ursprünglich geplanten 27 Millionen Franken rund 48 Millionen kosten. Grund dafür sind technische Mängel, Planungsfehler, Verzögerungen und ein unvollständiges ursprüngliches Konzept. Das belegen Dokumente, die «RTS» einsehen konnte. Sie zeigen auch: Die Verwaltung wusste bereits seit Jahren von gravierenden Problemen beim Gebäude. |
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Adrian Hopf-Sulc Der Bund, |
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«Der Bund» forderte die Herausgabe des Untersuchungsberichts einer Subventionsaffäre rund um die BLS. Die BLS verweigerte zunächst den Zugang, setzte auf Beratung einer Anwaltskanzlei und gab – erst auf Intervention der bernischen Verkehrsdirektion – eine zensierte Version heraus. Diese zeigt: Gewisse Berechnungen wurden verändert, zudem hatten Mitarbeitende Informationen zurückgehalten und E-Mails gelöscht. |
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Angestellte der Geschäftsstelle, Jurymitglieder, Vorstandsmitglieder, die Sieger des Vorjahres sind vom Nominierungsverfahren ausgeschlossen.








































