Schweiz macht einen ersten Schritt in Richtung Open-Data

Von Julian Schmidli. In einem Pilotprojekt entwickelt die Bundesverwaltung ein Portal für frei zugängliche Daten. Das weitgesteckte Ziel: Ein zentraler Katalog für Datensätze von Bundesämtern und Kantonen.

Frei zugängliche Daten: Mitarbeiter des Bundesamtes für Statistik analysieren mit 3D-Brillen Bilder für die Arealstatistik. (Foto: Keystone)

Während Behörden in den USA oder in Grossbritannien seit Jahren Portale für frei zugängliche Daten betreiben, tun sich viele Länder noch schwer im transparenten Umgang mit gesammeltem Wissen. Nun macht die Schweizer Bundesverwaltung unter der Führung des Bundesarchivs einen ersten Schritt in Richtung Open Government Data (OGD) und plant ein Testportal.

Am letzten Mittwoch informierte eine Delegation des Bundes über die Entwicklung eines Pilotportals für frei zugängliche Daten in der Schweiz: das sogenannte OGD@Bund-Projekt. Beteiligt daran sind neben dem Bundesarchiv das Bundesamt für Landestopographie swisstopo, die Nationalbibliothek, MeteoSchweiz und das Bundesamt für Statistik. Weitere Ämter sowie einzelne Kantone und Gemeinden sollen in den nächsten Monaten zum Pilotprojekt stossen und sich einbringen.
Andreas Kellerhals, Direktor des Schweizerischen Bundesarchivs, betonte in einer Ansprache, er wolle keinen weiteren Platz für «Schnarchdaten» schaffen, wo die Daten ungestört vor sich hinschlummern würden. Durch das OGD-Portal soll das Potenzial der Daten ausgelotet werden: «Es soll etwas entstehen» sagte Kellerhals. Dafür wird das Portal über eine zentrale Website den Zugriff auf unterschiedlichste Datensätze möglich machen, die sich beliebig verwenden und kombinieren lassen. Idealerweise soll so eine Suchplattform für sämtliche öffentlichen Daten der Ämter und Departemente sowie Kantone entstehen und ein zusätzliches gesellschaftliches und wirtschaftliches Nutzungspotenzial eröffnen. Zielpublikum sind interessierte Bürger, ebenso Journalisten, Wissenschaftler, Programmierer und Entwickler aus der Privatwirtschaft.

Seit Februar 2013 arbeiten die beteiligten Ämter an der Konzeption des Portals und stellen zur Testphase eine Auswahl ihrer eigenen Datensätze zur Verfügung. Das Bundesamt für Statistik wird beispielsweise sämtliche Daten zu politischen Wahlen und zur Demographie der Schweizer Bevölkerung ins Portal stellen. Ziel des Pilotprojektes ist es, erste Erfahrungen mit dem OGD-Prinzip zu sammeln und auf dieser Grundlage das Portal weiterzuentwickeln. Die Seite wird ausserdem eine Auswahl an Apps und Grafiken, die durch Portal-Daten entwickelt wurden, zur Schau stellen und den Austausch mit den Nutzern suchen.
Ein Knackpunkt für sämtliche Beteiligten wird die Frage der Daten-Lizenzen sein. Zurzeit werden die rechtlichen Rahmenbedingungen für deren Nutzung abgeklärt. Ziel sei eine möglichst einheitliche und einfach anwendbare Lizenz.
David Oesch, Geoportalkoordinator von Swisstopo, ging mit Hilfe konkreter Anwendungsbeispiele auf die anfallenden Chancen und Risiken ein. Viele Möglichkeiten des Portals seien durch konkrete Gesetze und Verordnungen eingeschränkt. Zu deren Änderung brauche es vor allem Zeit.
Das Pilotportal soll Anfang September 2013 aufgeschaltet werden und der Öffentlichkeit für eine Testphase von sechs Monaten zur Verfügung stehen. Nach der Testphase soll entschieden werden, ob eine Weiterführung in diesem Rahmen Sinn macht.


Bei Fragen zum Projekt OGD@Bund steht das Projektteam des Schweizerischen Bundesarchivs BAR zur Verfügung: opendata@bar.admin.ch

Ausserdem gibt es auf ein FAQ zum Pilotportal. 

Es gibt auch eine Präsentation zum Informationstag.  

Als eines der Vorbilder gilt das OGD-Portal von Grossbritannien, das es bereits seit vier Jahren gibt.


Julian Schmidli ist Datenjournalist am Recherchedesk der SonntagsZeitung undLe MatinDimanche.

 


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