Opendata.ch ist jetzt offiziell

Ein Think Tank aus Informatikern, Grafikern und Medienschaffenden verlangt Zugang zu Behördendaten. (Bild: Der untenstehende Text in einer Tagwolke)

Von Barnaby Skinner. Was als Initiative von ch/open und der Schweizer Informatik Gesellschaft vor etwas mehr als einem Jahren begann, hat jetzt einen offiziellen Mantel: An der Berner Fachhochschule wurde der Verein Opendata.ch gegründet, der eine weit gehende Auslegung des Öffentlichkeitsgesetzes fordert.

In den USA oder England gehen Verwaltungen immer freizügiger mit ihren Daten um. Sie stellen Rohdaten zum Verkehrsaufkommen oder Kriminalstatistiken auf Webseiten wie data.gov.uk oder data.gov zur Verfügung. Jeder kann sich bedienen. Und viele greifen zu. Software-Ingenieure und Medien tüfteln mit diesen Daten an Applikationen für Webbrowser, Handys, Tablets. Gerade für Journalisten bergen maschinenlesbare Daten neue Möglichkeiten, Geschichten zu erzählen und Recherchen zu präsentieren. So kann heute zum Beispiel jeder Engländer abrufen, wie kriminell seine Wohngegend ist.

Hinter der Veröffentlichung von Rohdaten stehen auch etliche Fragezeichen: Die allergrösste behördliche Angst besteht darin, dass wertvolle Daten von Dritten «falsch» interpretiert werden. Zudem ist umstritten, ob die Öffnung von Datenbeständen tatsächlich einen wirtschaftlichen Wert hat, wie in England oder den USA behauptet wird. Allein für den europäischen Raum gehen optimistische Ökonomen von einer wirtschaftlichen Wertschöpfung von 160 Milliarden Franken aus. Pessimisten sehen dagegen einen wirtschaftlichen Schaden.

Opendata.ch setzt sich für den offenen Zugang zu Daten und deren freie Wiederverwendung ein. Die Förderung von «Open Data» erstrecken sich auf Behördendaten, Daten des öffentlichen Sektors und wissenschaftliche Daten, soweit deren Zugang nicht aus Gründen des Datenschutzes eingeschränkt sind. Der Verein erkennt allerdings, dass die Publikation grössere Datenbestände Fragen aufwirft, wie zum Beispiel nach dem geistigen Eigentum. Diese und weitere Fragen nimmt sich der Verein an und hat dazu ein Manifest veröffentlicht. Eine zusätzliche Grundlage bildet die erste Open Government Data Studie der Schweiz. Sie wird von der Berner Fachhochschule mit der Zürcher Firma Itopia AG und anderen Projektpartnern von November 2011 bis Juni 2012 umgesetzt und von der Gebert Rüf Stiftung finanziert.

Jede Privatperson und jede juristische Person kann Mitglied von Opendata.ch werden. Und wie jeder Verein hat er einen Vorstand. Dieser setzt sich wie folgt zusammen: André Golliez (Präsident), Hannes Gassert (Vizepräsident), Barnaby Skinner (Kassier), Andreas Amsler (Community & Kommunikation DE), Christian Laux (Recht), Antoine Logean (Community & Kommunikation FR), Giorgio Pauletto (Romandie), Matthias Stürmer (Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit). .

Und was hat Opendata.ch mit Öffentlichkeitsgesetz.ch zu tun? Bei letzterer geht es um eine konsequente Umsetzung des Öffentlichkeitsgesetzes, damit Journalisten zu Informationen kommen. Opendata.ch hingegen will Behörden und Verwaltungen dazu bringen, maschinenlesbare Informationen von sich aus elektronisch zugänglich zu machen. Wenn man so will, geht es also um eine aggressive Auslegung des Öffentlichkeitsgesetzes.


 

Opendata.ch soll möglichst breit aufgestellt sein und eine Community von Ideengebern, Designern und Entwicklern initiieren, die sich im Bereich von Opendata.ch engagieren. Der Verein Opendata.ch organisiert deshalb dieses Jahr entsprechende Anlässe:

Make.opendata.ch-Hackday

30./31. März 2012 zum Thema Mobilität in Zürich und Genf

Weiterer Hackday im Herbst 2012 voraussichtlich zum Thema Gesundheit

«Opendata.ch 2012»-Konferenz

28. Juni 2012 in Zürich (mit Unterstützung der Stadtverwaltung). Hier werden die Ergebnisse der Open-Data-Studie-Schweiz präsentiert


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