Hinter den Kulissen des E-Ticket-Streits
Pascal Michel, Aargauer Zeitung, 02.07.2024
Rund 200 Millionen Franken verlieren die Verkehrsunternehmen jedes Jahr, weil Passagiere tricksen und ohne gültiges Billett unterwegs sind. Die finanziellen Ausfälle treffen die Branche empfindlich. Umso irritierter waren deshalb SBB & Co., als der Bund Ende 2023 eine Lockerung des Kontrollregimes forderte. Dabei ging es vor allem um die elektronischen Tickets. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) war der Ansicht, dass Passagiere auch nach Abfahrt eines Zuges ihr Billett elektronisch lösen dürfen. Bisher kannte die Branche hier kein Pardon: Der Ticketkauf musste vor Abfahrt abgeschlossen sein. Bereits wer ein paar Sekunden zu spät dran war, riskierte eine Busse von mindestens 70 Franken. Um die Wogen zu glätten, setzten Bund und Branche eine Arbeitsgruppe ein. Diese sollte eine «Chropfleerete» und einen Kompromiss ermöglichen. Gestützt auf das Öffentlichkeitsprinzip hat «CH Media» Einsicht in die Sitzungsprotokolle verlangt. Sie ermöglichen einen Blick hinter die Kulissen des Tarifstreits, der in der Branche monatelang für Aufruhr sorgte. An den Sitzungen setzten sich SBB & Co. mit ihrer Auslegung durch und sorgten dafür, dass die bisherige Regelung unangetastet blieb.
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