Mexiko: Nestlé ist mitverantwortlich für Todesursache Nr. 1

Urs P. Gasche, Timo Kollbrunner, Infosperber, 13.08.2022

Mit Warnhinweisen auf ungesunden Lebensmitteln geht Mexiko gegen die grassierende Fettleibigkeit im Land vor. Dagegen wehrte sich der Schweizer Konzern Nestlé mit allen Mitteln – und mit tatkräftiger Unterstützung der Schweizer Behörden. Das zeigen vertrauliche E-Mails zwischen Nestlé und dem Seco, welche die NGO «Public Eye» Anfang Juli publik machte und auf «Infosperber» detailliert berichtet: Im November 2019 wandte sich der Konzern, welchem die mexikanische Kennzeichnungsnorm zu weit ging, direkt an das Seco und bat um Unterstützung. Unkompliziert stellte man in der darauffolgenden Woche eine Intervention in Aussicht und fragte auch nach geeigneten Adressaten. Die EDA-Abteilung in Mexiko, die bis dahin offensichtlich nicht involviert war, echauffierte sich allerdings über den Alleingang Nestlés. Eine offizielle Intervention müsse im Namen aller betroffenen Schweizer Unternehmen erfolgen – und nicht allein für einen einzigen Konzern. In den nächsten Monaten folgten Interventionen der offiziellen Schweiz im Namen «grosser Schweizer Lebensmittelhersteller und -importeure», auch gemeinsam mit der EU und den USA. Nichtdestotrotz wurde im Oktober 2020 die neue Kennzeichnungsnorm in Mexiko eingeführt. Über das fragwürdige Vorgehen der Schweizer Behörden und die Rolle von Nestlé gibt das Seco in einer Stellungnahme ausweichend Auskunft.

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