Die Mängel von Gino Mäders Unfallkurve
Pascal Ritter, Luzerner Zeitung, 06.06.2025
Gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz des Kantons Graubünden erhielt CH Media Einsicht in interne Dokumente zur Unfallkurve, an der Gino Mäder im Juni 2023 schwer verunfallte. Dazu gehört auch der Bericht einer Road Safety Inspection, die nach dem Unfall veranlasst wurde. Die Linkskurve auf der Albulastrasse war bereits seit März 2023 als Unfallschwerpunkt bekannt, doch der Kanton Graubünden verzichtete damals auf prioritäre Massnahmen – trotz vier registrierten Unfällen seit Anfang 2020, darunter ein sehr ähnlicher Velounfall eines Hobbyrennfahrers. Die Sicherheitsinspektion im November 2023 deckte deutliche Mängel auf. Die Querneigung der Kurve entsprach nicht den geltenden Normen: Während der erste Teil zu steil war, fiel der zweite, entscheidende Teil zu flach aus – dort, wo auch die Unfälle passierten. Die Ingenieure stuften das Unfallrisiko als hoch ein. Auch andere Sicherheitsstandards wurden verletzt: Leitpfosten waren zu wenig dicht gesetzt, Leitpfeile fehlten ganz. Empfohlen wurde ein umfassender Umbau der Kurve mit verbesserter Querneigung, gleichmässigerer Längsneigung und besserer Sichtführung. Kurzfristig sollten zusätzliche Leitpfeile angebracht werden. Die einzige bisher umgesetzte Massnahme sind dichtere Leitpfosten. Die übrigen Empfehlungen, wie Leitpfeile oder bauliche Anpassungen, wurden vorerst zurückgestellt – man will das Unfallgeschehen weiterhin beobachten. Der inzwischen errichtete 70 Meter lange Erddamm wird im Sicherheitsbericht nicht erwähnt.


















