Bodensee mit Gift verschmutzt – Konzern vertuschte alles
Sandro Büchler, St. Galler Tagblatt, 12.04.2025
Bei zwei Chemieunfällen Ende 2020 und Anfang 2021 gelangten grosse Mengen Löschschaum vom Areal des Verpackungskonzerns Amcor in Goldach in den Bodensee. Im Schaum enthalten: eine krebserregende Chemikalie aus der PFAS-Gruppe – in der Schweiz seit 2011 verboten, in der Umwelt kaum abbaubar und berüchtigt als sogenannte «Ewigkeitschemikalie». Trotz des massiven Umweltschadens wurde der Milliardenkonzern 2022 lediglich zu einer Busse von 5000 Franken verurteilt – ein Entscheid, der in Politik und Bevölkerung für Empörung sorgte. CH Media wollte Licht ins Dunkel bringen und forderte Einblick in die Untersuchungsakten. Amcor bekämpfte dies mit zwei Beschwerden bis vor Bundesgericht – und verlor beide Male. Die nun eingesehenen Akten, die auch dank des Öffentlichkeitsgesetzes eingesehen werden konnten, offenbaren nicht nur eine Reihe von Pannen und Versäumnissen, sondern auch Versuche des Konzerns, den Vorfall herunterzuspielen. Besonders brisant: Bereits im Januar 2019 schrieb ein Amcor-Mitarbeiter dem Amt für Feuerschutz, ein Austausch des problematischen Schaummittels sei wohl nicht nötig, da im Brandfall «eine vollständige Rückhaltung» gewährleistet sei. Zwei Jahre später jedoch kam es zum Ernstfall – mit gravierenden Folgen für den Bodensee. Der Fall gilt heute als einer der grössten Umweltskandale der letzten Jahrzehnte in der Ostschweiz.




















