Cassis lässt Historikerinnen im Stich

Raphael Rauch, Sonntagsblick, 08.09.2024

Vor einem Jahr ging ein Beben durch die katholische Welt. Historikerinnen der Uni Zürich stiessen in einer Pilotstudie auf mehr als 1000 Fälle von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche. In den kommenden drei Jahren soll dieses Thema eingehender untersucht werden – doch dabei sind die Geschichtsforscherinnen auf Vatikan-Akten angewiesen. Sie vermuten, dass in der vatikanischen Botschaft in Bern und im Vatikan selbst Akten liegen, deren Originale von den Schweizer Bischöfen geschreddert wurden. Ein grosser Teil der Missbrauchsakten «dürfte vernichtet worden sein, bei gewissen lässt sich eine Vernichtung nachweisen», schreiben die Historikerinnen an Bundesrat Ignazio Cassis in einem Brief, den «Sonntagsblick» aufgrund des Öffentlichkeitsgesetzes einsehen konnte. Doch Cassis winkt im Brief ab und stellt nicht in Aussicht, beim Vatikan eine Akteneinsicht zu erwirken.

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