Das Idyll trügt

Yves Demuth, Beobachter, 12.05.2023

Die Schweizer Milch fliesst nur, weil jährlich eine halbe Million Kälbchen geboren werden. Stierkälber sind nicht immer willkommen – und sterben auffällig oft. Bei den männlichen Nachkommen der Holstein-Hochleistungsmilchkühe starben letztes Jahr 1691 Männchen im ersten Lebensmonat. Das entspricht einer Sterberate von 8,4 Prozent. Diese Stierkälber kamen zwar lebend zur Welt, starben aber in den ersten 30 Tagen. Die Bauern melden diese dann als «verendet». Pikant: Die Sterberate der Holstein-Männchen ist fast doppelt so hoch wie die der Holstein-Weibchen. Das zeigt eine Auswertung der Tierverkehrsdatenbank nach Geschlecht über die vergangenen zehn Jahre. «Der Beobachter» hat die Daten dank dem Öffentlichkeitsgesetz vom Bundesamt für Landwirtschaft erhalten. Holstein schneidet zudem auffällig schlecht ab im Vergleich mit drei anderen Kuhrassen, die in der Schweiz weit verbreitet sind. Eine wissenschaftliche Antwort darauf gibt es nicht – die Übersterblichkeit der Männchen wurde in der Schweiz noch nie eingehend untersucht, obwohl die Zahlen seit vielen Jahren erhoben werden.

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