So unkultiviert versuchte die Migros den Preisüberwacher zu stoppen

Thomas Schlittler, Sonntagsblick, 19.03.2023

Die Ende Januar 2023 publizierte Vorabklärung zu Preisen und Margen bei Biolebensmitteln des Preisüberwachers hatte es in sich. Das Fazit: Bioprodukte hätten in der Schweiz zu hohe Marge zu tragen und würden dadurch stärker verteuert als in anderen Ländern. Als Grund dafür vermutet der Preisüberwacher das wenig wettbewerbsintensive Umfeld in der Schweiz. Im Bericht wird die Frage aufgeworfen, ob hierzulande eine Marktbeherrschung von Coop und Migros bestehe und dadurch der Wettbewerb massiv behindert werde. Eine noch viel kritischere Version des Statements wurde jedoch nie publiziert. Der Preisüberwacher musste wegen juristischen Drucks durch die Migros zahlreiche Anpassungen vornehmen. Dabei ging die Migros nicht gerade zimperlich vor, wie Recherchen des «Sonntagblicks» zeigen. In einem Schreiben, das die Zeitung gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz einsehen konnte, bezeichnete der Detailhandelsriese die Arbeit des Preisüberwachers als «stark tendenziös» und einseitig, bemängelte die Datenqualität und warf unterschlagene Informationen vor. Sogar rechtswidrig sollen die Dokumente gewesen sein. 53 Berichtigungsanträge und zahlreiche Korrespondenzen später durfte der Bericht in einer veränderten Version endlich erscheinen.

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