Keller-Sutters Fachleute kritisieren Verzicht auf höheres Rentenalter

Tobias Gafafer, NZZ, 21.01.2026

Die AHV hat aufgrund der geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer in absehbarer Zeit ein Finanzierungsproblem. Der Bundesrat will die absehbaren Lücken bei der AHV mit höheren Steuern und Lohnbeiträgen decken. Eine Erhöhung des Rentenalters ist nicht vorgesehen. Die Ämterkonsultation in der Bundesverwaltung, in die die «NZZ» gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz Einblick erhielt, zeigt nun, dass sich zwei Departemente kritisch einbrachten. Für mehr Tempo hat sich die Eidgenössische Finanzverwaltung im Departement von Karin Keller-Sutter (FDP) ausgesprochen. Sie wünsche schon heute einen Entscheid, der die zentrale Frage des Referenzalters umfassen müsse, schreibt die Direktorin Sabine D’Amelio-Favez in der Stellungnahme. Die Eidgenössische Finanzverwaltung verweist auf die ungünstige Entwicklung der ersten Säule. Die Lebenserwartung steige in der Schweiz von Jahr zu Jahr, wodurch sich die durchschnittliche Dauer der Rentenzahlungen der AHV immer weiter verlängere. Gleichzeitig verschlechtere sich das Verhältnis zwischen den Berufstätigen und den AHV-Bezügern laufend. Einwände hatte auch das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) im Departement von Guy Parmelin (SVP). In seiner Stellungnahme kritisiert es, dass das Innendepartement darauf verzichtet habe, ein höheres Rentenalter zu prüfen. Dies erschwere es, das Arbeitskräftepotenzial verstärkt auszunutzen, gerade mit Blick auf die bevorstehende, demografisch bedingte Verknappung von Arbeitskräften. So werde es auch schwieriger, die AHV finanziell nachhaltig aufzustellen.

Link zum Beitrag


Weitere Geschichten