{"id":9146,"date":"2018-04-13T07:11:13","date_gmt":"2018-04-13T06:11:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/?p=9146"},"modified":"2018-04-11T20:22:10","modified_gmt":"2018-04-11T19:22:10","slug":"von-strafen-fur-steuersunder-soll-niemand-erfahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/2018\/04\/von-strafen-fur-steuersunder-soll-niemand-erfahren\/","title":{"rendered":"Von Strafen f\u00fcr Steuers\u00fcnder soll niemand erfahren"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_9150\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"width: 592px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-9150 size-full\" src=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2018\/04\/ESTV.jpg\" alt=\"\" width=\"582\" height=\"327\" srcset=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2018\/04\/ESTV.jpg 582w, https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2018\/04\/ESTV-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 582px) 100vw, 582px\" \/> Kabinettjustiz bei der Steuerverwaltung des Bundes: Amtsentscheide gegen Delinquenten will das Amt geheimhalten. (Foto: Keystone\/Gaetan Bally)<p class=\"wp-caption-text\"><\/p><\/div>\n<p><em>Von Mischa Aebi.<\/em>\u00a0<strong>Die Steuerverwaltung ESTV weigert sich, Strafbescheide von Steuers\u00fcndern \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich zu machen. Damit bleibt geheim, wie die Steueraufsicht des Bundes das Gesetz bei Steuers\u00fcndern anwendet.<\/strong><\/p>\n<p>Die Sonntagszeitung wehrt sich nun mit einer Beschwerde vor dem Bundesverwaltungsgericht gegen die Geheimhaltepraxis der ESTV. Sie hat eine Beschwerde eingereicht.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Strafurteile m\u00fcssen grunds\u00e4tzlich \u00f6ffentlich einsehbar sein. Das steht in der Bundesverfassung. Die meisten Gerichte und Staatsanwaltschaften halten sich an das \u00d6ffentlichkeitsprinzip im Strafrecht. Anders ist dies bei der eidgen\u00f6ssischen Steuerverwaltung (ESTV). Sie hat ebenfalls die Kompetenz, strafrechtliche Sanktionen auszusprechen: Sie darf Steuers\u00fcnder mittels sogenannter Strafbescheide verurteilen.<\/p>\n<p>Doch die ESTV weigert sich, ihre Strafbescheide \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich zu machen. Sie hat ein entsprechendes Gesuch der Sonntagszeitung abgelehnt. Selbst nachdem der eidgen\u00f6ssische Datensch\u00fctzer der ESTV empfohlen hat, die Strafbescheide zumindest anonymisiert zug\u00e4nglich zu machen, blieben die Steuerbeamten des Bundes hart. Die Steuerverwaltung berief sich bei ihrer Weigerung unter anderem auf das Steuergeheimnis.<\/p>\n<p>Nun hat die Sonntagszeitung beim Bundesverwaltungsgericht eine Beschwerde gegen den Entscheid der ESTV eingereicht. Das Gericht wird nun pr\u00fcfen, ob Strafbescheide der ESTV anders als alle anderen Strafurteile tats\u00e4chlich geheim sind.<\/p>\n<p>Der Grund, warum der Gesetzgeber festgelegt hat, dass Strafurteile grunds\u00e4tzlich \u00f6ffentlich sein m\u00fcssen: Durch die \u00d6ffentlichkeit soll die sogenannte Kabinettjustiz verhindert werden. Die \u00d6ffentlichkeit und die Politik soll kontrollieren k\u00f6nnen, ob die vom Volk gew\u00e4hlten Richter zu streng oder zu milde urteilen.<\/p>\n<p>Die \u00d6ffentlichkeit der Strafurteile ist \u2013 anders als bei gew\u00f6hnlichen amtliche Dokumente \u2013 nicht im \u00d6ffentlichkeitsgesetz geregelt. Sie leitet sich ab von Artikel 30 der Bundesverfassung ab. Das Bundesgericht hat die konkrete Anwendung des Artikels auf schriftliche Strafurteile und Strafbescheide bereits mehrfach best\u00e4tigt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Mischa Aebi.\u00a0Die Steuerverwaltung ESTV weigert sich, Strafbescheide von Steuers\u00fcndern \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich zu machen. Damit bleibt geheim, wie die Steueraufsicht des Bundes das Gesetz bei Steuers\u00fcndern anwendet. Die Sonntagszeitung wehrt sich nun mit einer Beschwerde vor dem Bundesverwaltungsgericht gegen die Geheimhaltepraxis der ESTV. 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