{"id":8859,"date":"2018-02-23T19:10:13","date_gmt":"2018-02-23T18:10:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/?p=8859"},"modified":"2018-05-25T19:12:13","modified_gmt":"2018-05-25T18:12:13","slug":"das-haus-der-kantone-denkt-uber-mehr-transparenz-nach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/2018\/02\/das-haus-der-kantone-denkt-uber-mehr-transparenz-nach\/","title":{"rendered":"Das \u00abHaus der Kantone\u00bb denkt \u00fcber mehr Transparenz nach"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_8860\" class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 592px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8860 size-full\" src=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2018\/02\/HDK_2.jpg\" alt=\"\" width=\"582\" height=\"330\" srcset=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2018\/02\/HDK_2.jpg 582w, https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2018\/02\/HDK_2-300x170.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 582px) 100vw, 582px\" \/> Keine Regeln f\u00fcr den Zugang zu Dokumenten: Die Konferenzen der Kantone agieren in einer Dunkelkammer. (Foto: Keystone\/Lukas Lehmann)<p class=\"wp-caption-text\"><\/p><\/div>\n<p><em>Von Martin Stoll.<\/em> <strong>Bildung, Polizei, Soziales: In interkantonalen Konferenzen werden heute wichtige Entscheide gef\u00e4llt \u2013 meistens unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit. Nachdem <em>\u00d6ffentlichkeitsgesetz.ch<\/em> die fehlende Transparenz kritisiert hat, haben die Kantone eine Arbeitsgruppe eingesetzt.<\/strong><\/p>\n<p>Eichenparkett, Stuckmarmor-S\u00e4ulen, gediegene Holzfuttert\u00fcren: Das stattliche Geb\u00e4ude an der Berner Speichergasse strahlt solide Werte aus. 400 Meter vom Bundeshaus entfernt, im ehemaligen Eidgen\u00f6ssischen Telegraphen- und Patentamt, haben die Kantone ihre Machtzentrale installiert.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Hier arbeiten seit neuneinhalb Jahren mehr als 150 Beamte f\u00fcr verschiedene interkantonale Konferenzen. Im Zentrum des helvetischen Verwaltungs- und Politapparats betreiben die Kantone ihren Aussenposten. Juristen, Lobbyisten und Sekret\u00e4re koordinieren den Informationsfluss, bringen Interessengruppen zusammen, nehmen gezielt Einfluss.<\/p>\n<div id=\"attachment_8861\" class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 273px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8861 size-full\" src=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2018\/02\/hdk_3.jpg\" alt=\"\" width=\"263\" height=\"377\" srcset=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2018\/02\/hdk_3.jpg 263w, https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2018\/02\/hdk_3-209x300.jpg 209w\" sizes=\"auto, (max-width: 263px) 100vw, 263px\" \/> In Bern haben die Kantone eine Machtzentrale installiert. (Foto: Keystone\/Peter Klaunzer)<p class=\"wp-caption-text\"><\/p><\/div>\n<p>Im \u00abHaus der Kantone\u00bb sind heute mindestens 25 interkantonale Gremien t\u00e4tig: von der Erziehungs- oder der Sozialdirektorenkonferenz \u00fcber die Konferenz der Polizeikommandanten bis hin zur Konferenz der kantonalen Beschaffungsverantwortlichen. Hier werden auch umstrittene interkantonale Konkordate geboren: die Vereinbarung \u00fcber die Harmonisierung der obligatorischen Schule, Harmos, etwa, der Lehrplan 21 oder das Hooligan-Konkordat.<\/p>\n<p>Die zunehmend einflussreichen Konferenzen und Konkordate sind aber keiner Transparenz verpflichtet. Sie sind keinem \u00d6ffentlichkeitsgesetz unterstellt und agieren in einer Dunkelkammer. Transparenz schaffen sie nach eigenem Gutd\u00fcnken und legen die Informationspraxis von Fall zu Fall fest.<\/p>\n<p>Ein Beispiel f\u00fcr Geheimniskr\u00e4merei ist die \u00abSchwarze Liste\u00bb der Erziehungsdirektorenkonferenz. Die EDK best\u00e4tigt in Geheimdienstmanier lediglich die Existenz der Liste. Auf sie kommen Lehrpersonen nach sexuellen \u00dcbergriffen. Die Zahl der Eintr\u00e4ge h\u00e4lt die Konferenz strikt geheim. Grund: \u00abDie Nennung von konkreten Zahlen w\u00fcrde mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Falschinterpretationen, unzul\u00e4ssigen \u2039Rankings\u203a, unzuverl\u00e4ssigen Datenanalysen und damit zu Verunsicherungen f\u00fchren.\u00bb<\/p>\n<p>Der \u00d6ffentlichkeit wird nicht zugetraut, dass sie mit einer Statistik \u00fcber gesperrte Lehrkr\u00e4fte umzugehen weiss. Deshalb bleibt sie unter Verschluss.<\/p>\n<p><strong>N\u00f6tig sind durchsetzbare Transparenzregeln<\/strong><\/p>\n<p>Ein solches Verst\u00e4ndnis widerspricht dem Geist des \u00d6ffentlichkeitsprinzips, welchem sich heute der Bund und die meisten Kantone verpflichtet haben. Es gibt Medienschaffenden und B\u00fcrgern weitgehende Zugangsrechte zu Verwaltungsakten und -daten.<\/p>\n<p><em>\u00d6ffentlichkeitsgesetz.ch<\/em> hat die Konferenz der Kantonsregierungen (KdK) darauf aufmerksam gemacht, dass Medienschaffende und B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger bei interkantonalen Regierungs- und Direktorenkonferenzen heute keine klar formulierten Zugangsrechte haben. <a href=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2018\/02\/2018_01_24_Brief_HdK_\u00d6ffentlichkeitsprinzip.pdf\">Wir haben KdK-Pr\u00e4sident Benedikt Wu\u0308rth aufgefordert,<\/a> Massnahmen zu treffen, welche die Verwaltungstransparenz im Sinne der geltenden \u00d6ffentlichkeitsgesetze sicherstellen:<\/p>\n<ul>\n<li>Der Erlass von unmissverst\u00e4ndlichen Richtlinien, welche den Zugang zu den Dokumenten der kantonalen Konferenzen garantieren und die sich auf die geltenden \u00d6ffentlichkeitsgesetze abst\u00fctzen.<\/li>\n<li>Bezeichnen einer unabh\u00e4ngigen Schlichtungsstelle, die bei umstrittenen Entscheiden erstinstanzlich vermittelt und eine Empfehlung abgibt.<\/li>\n<li>Benennung eines Rechts- und Instanzenwegs, mit dem die Gesuchsteller ihre Rechte durchsetzen k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Neue Regeln in den kommenden Monaten<\/strong><\/p>\n<p>In <a href=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2018\/02\/2018_02_23_Antwort_HDK.pdf\">einer ersten Stellungnahme<\/a> schreibt die Konferenz der Kantonsregierungen, man erachte es als wichtig, \u00abdass Verwaltungseinheiten, die \u00f6ffentliche Aufgaben wahrnehmen, den Zugang zu ihren Informationen klar regeln\u00bb.<\/p>\n<p>Unter Einbezug der Direktorenkonferenzen hat die KdK eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. In den kommenden Monaten sollen Regeln f\u00fcr den Zugang zu Dokumenten erarbeitet werden. \u00abZiel ist es, den Umgang mit Informationen f\u00fcr die interkantonalen Konferenzen so zu definieren, dass dem \u00d6ffentlichkeitsprinzip Rechnung getragen wird\u00bb, heisst es in der Stellungnahme.<\/p>\n<p>Ob die Kantone ihre Informationshoheit im interkantonalen Geheimverkehr opfern und sich zu einem echten \u00d6ffentlichkeitsprinzip verpflichten, ist offen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Martin Stoll. Bildung, Polizei, Soziales: In interkantonalen Konferenzen werden heute wichtige Entscheide gef\u00e4llt \u2013 meistens unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit. Nachdem \u00d6ffentlichkeitsgesetz.ch die fehlende Transparenz kritisiert hat, haben die Kantone eine Arbeitsgruppe eingesetzt. 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