{"id":19561,"date":"2026-08-13T10:05:58","date_gmt":"2026-08-13T08:05:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/?p=19561"},"modified":"2026-08-13T16:05:28","modified_gmt":"2026-08-13T14:05:28","slug":"zuercher-behoerden-wollen-asylquoten-nicht-offenlegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/2026\/08\/zuercher-behoerden-wollen-asylquoten-nicht-offenlegen\/","title":{"rendered":"Z\u00fcrcher Beh\u00f6rden wollen Asylquoten nicht offenlegen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2026\/08\/Bild_Blog_regio-asyl.jpg\" alt=\"\" width=\"582\" height=\"327\" \/><\/p>\n<p><em>Von Michelle Isler.<\/em>\u00a0<strong>Das Recherche\u00adprojekt Asyl-Atlas von \u00d6ffentlichkeits\u00adgesetz.ch und \u00abReflekt\u00bb zeigt erstmals, welche Gemeinden seit 1994 im Asylwesen Verant\u00adwortung tragen. In Z\u00fcrich wehren sich die Beh\u00f6rden seit Jahren gegen Trans\u00adparenz bei den Asyl\u00adquoten.<\/strong><\/p>\n<p>2025 lebten in der Schweiz so viele Menschen im Asylverfahren wie noch nie. Wo sie untergebracht werden, ist Sache der Kantone, welche die Gefl\u00fcchteten auf ihre Gemeinden verteilen. Dabei verfolgt jeder Kanton sein eigenes System. Die Kantone kommen bei der Unterbringung immer wieder an ihre Grenzen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>So etwa 2023, als infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine viele Menschen gleichzeitig Schutz in der Schweiz suchten und dringend zus\u00e4tzlicher Wohnraum ben\u00f6tigt wurde. Auch im Kanton Z\u00fcrich wurde die Unterbringung zunehmend zur Herausforderung. Dort muss jede Gemeinde proportional zu ihrer Bev\u00f6lkerung eine bestimmte Anzahl Asylsuchender aufnehmen.<\/p>\n<div class=\"infobox\"><\/p>\n<h3><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-19527\" src=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2026\/07\/46c6dbd7-2b07-e516-0fb2-17a89b140c83.png\" alt=\"\" width=\"1069\" height=\"275\" srcset=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2026\/07\/46c6dbd7-2b07-e516-0fb2-17a89b140c83.png 1069w, https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2026\/07\/46c6dbd7-2b07-e516-0fb2-17a89b140c83-300x77.png 300w, https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2026\/07\/46c6dbd7-2b07-e516-0fb2-17a89b140c83-682x175.png 682w, https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2026\/07\/46c6dbd7-2b07-e516-0fb2-17a89b140c83-768x198.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1069px) 100vw, 1069px\" \/><\/h3>\n<p class=\"isSelectedEnd\"><strong>Wer tr\u00e4gt die Verantwortung bei der Aufnahme von Gefl\u00fcchteten?<\/strong><\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Der erste Schweizer Asyl-Atlas zeigt, wie unterschiedlich Gefl\u00fcchtete seit 1994 auf die Gemeinden verteilt wurden \u2013 und wer \u00fcber Jahrzehnte besonders viel oder wenig Verantwortung \u00fcbernahm.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Im n\u00e4chsten <strong>Caf\u00e9 Transparence am 25. August 2026 um 11.30 Uhr<\/strong> zeigen Christian Zeier (\u00abReflekt\u00bb) und Malte Aeberli (\u00abTages-Anzeiger\u00bb), wie der Asyl-Atlas entstand, wie Verwaltungsdaten zu lokalen Geschichten wurden und wie die gemeinsame Recherche mit Regionalredaktionen aus zw\u00f6lf Kantonen funktionierte. Moderation: Marguerite Meyer.<\/p>\n<p>Der Online-Anlass kann <a href=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/cafe-transparence\/checkout\/asyl-atlas-zeigt-wer-verantwortung-traegt\/\">hier<\/a>\u00a0gebucht werden. <\/div>\n<p class=\"s3\"><strong>Der Streit um die Z\u00fcrcher Asylquoten<\/strong><\/p>\n<p>Im Fr\u00fchjahr 2023 wollte sich der \u00abTages-Anzeiger\u00bb deshalb einen \u00dcberblick verschaffen: \u00abWir wollten wissen, welche Gemeinden im Kanton Z\u00fcrich die Quoten erf\u00fcllen und welche nicht\u00bb, erkl\u00e4rt der Journalist Malte Aeberli. Er beobachtet das Z\u00fcrcher Asylwesen seit Jahren und hat auch beim Asyl-Atlas mitrecherchiert. Gest\u00fctzt auf das kantonale \u00d6ffentlichkeitsgesetz verlangte der \u00abTages-Anzeiger\u00bb damals Einsicht in eine Auflistung der effektiv erf\u00fcllten Asylquoten jeder Gemeinde im Kanton Z\u00fcrich zwischen Januar 2018 und April 2023.<\/p>\n<p class=\"s3\">Das zust\u00e4ndige kantonale Sozialamt in der Sicherheitsdirektion von Regierungsrat Mario Fehr lehnte das Begehren ab, woraufhin der \u00abTages-Anzeiger\u00bb eine Beschwerde einreichte. Das Verwaltungsgericht urteilte zugunsten einer kostenlosen Offenlegung und trug den Z\u00fcrcher Beh\u00f6rden die Gerichtsgeb\u00fchren von rund 2600 Franken auf. <a href=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2026\/08\/Verwaltungsgericht-des-Kantons-Zuerich_-VB.2025.00254.pdf\"><span class=\"s6\">Die<\/span><span class=\"s6\">s<\/span><span class=\"s6\">en Entscheid<\/span><\/a> akzeptierte die Z\u00fcrcher Verwaltung nicht. Mittlerweile liegt der Fall beim Bundesgericht.<\/p>\n<p><strong>Bund und Kantone berechnen unterschiedlich<\/strong><\/p>\n<p>Die Z\u00fcrcher Quoten bildet <a href=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/2026\/06\/wo-in-den-letzten-30-jahren-die-gefluechteten-lebten\/\">der Asyl-Atlas<\/a> zwar nun ab, weil das Staatssekretariat f\u00fcr Migration (SEM) seine Daten aus allen Kantonen unkompliziert zur Verf\u00fcgung stellte. Allerdings sind die beiden Datens\u00e4tze nicht deckungsgleich: F\u00fcr das SEM z\u00e4hlen Personen in Bundesasylzentren nicht zur Anzahl Asylsuchender pro Gemeinde. F\u00fcr den Kanton Z\u00fcrich hingegen schon \u2013 und zwar mit der vollen Kapazit\u00e4t, sobald das Zentrum in Planung ist.<\/p>\n<p>\u00abWenn in der Gemeinde R\u00fcmlang in den n\u00e4chsten Jahren ein neues Bundesasylzentrum mit 150 Pl\u00e4tzen entsteht, hat R\u00fcmlang in der Logik des Kantons heute schon 150 Pl\u00e4tze vergeben\u00bb, erkl\u00e4rt Aeberli. Auch wenn die 150 Pl\u00e4tze nur theoretisch belegt sind, erf\u00fcllt die Gemeinde so ihre Pflicht. Dasselbe gilt f\u00fcr kantonale Durchgangszentren. Ein Abgleich mit den Daten des Asyl-Atlas w\u00fcrde zeigen, wie stark diese Berechnungsweise die kantonalen Quoten pr\u00e4gt.<\/p>\n<p><strong>Transparenz gef\u00e4hrde Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n<p>Gegen die Offenlegung der Zahlen wehren sich die Z\u00fcrcher Beh\u00f6rden aus mehreren Gr\u00fcnden: Die Daten seien f\u00fcr eine Ver\u00f6ffentlichung nicht geeignet. \u00a0Es handle sich um st\u00e4ndig schwankende und l\u00fcckenhafte Daten, die nur bei Bedarf konsolidiert worden seien und deshalb interne Arbeitsmittel darstellten. Zudem w\u00fcrde eine Ver\u00f6ffentlichung die Zusammenarbeit von Gemeinden und Kanton beeintr\u00e4chtigen und die Gemeinden w\u00fcrden gegeneinander ausgespielt, falls eine Gemeinde die vorgegebene Quote am Stichtag nicht eingehalten habe. Das Verwaltungsgericht akzeptierte diese Argumente nicht.<\/p>\n<p>\u00abNach der Publikation des Asyl-Atlas gibt es f\u00fcr die Sicherheitsdirektion wenig Gr\u00fcnde, an ihrem Widerstand gegen Transparenz festzuhalten\u00bb, findet Aeberli. Ob das Bundesgericht dies auch so sieht, bleibt abzuwarten. Die Sicherheitsdirektion teilt via Medienstelle mit, man \u00e4ussere sich nicht zu laufenden Verfahren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Michelle Isler.\u00a0Das Recherche\u00adprojekt Asyl-Atlas von \u00d6ffentlichkeits\u00adgesetz.ch und \u00abReflekt\u00bb zeigt erstmals, welche Gemeinden seit 1994 im Asylwesen Verant\u00adwortung tragen. In Z\u00fcrich wehren sich die Beh\u00f6rden seit Jahren gegen Trans\u00adparenz bei den Asyl\u00adquoten. 2025 lebten in der Schweiz so viele Menschen im Asylverfahren wie noch nie. 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