{"id":19378,"date":"2026-06-25T05:00:22","date_gmt":"2026-06-25T03:00:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/?p=19378"},"modified":"2026-06-25T09:58:10","modified_gmt":"2026-06-25T07:58:10","slug":"wo-in-den-letzten-30-jahren-die-gefluechteten-lebten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/2026\/06\/wo-in-den-letzten-30-jahren-die-gefluechteten-lebten\/","title":{"rendered":"Wo in den letzten 32 Jahren die Gefl\u00fcchteten lebten"},"content":{"rendered":"<p><div class=\"embed-responsive embed-responsive-16by9\"><div class=\"iframe-container\"><iframe loading=\"lazy\" class=\"embed-responsive-item\"  title=\"Asyl-Atlas - Atlas de l\u2019asile\" width=\"500\" height=\"375\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/EHxoS9hNsms?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/div><\/div>\n<\/p>\n<p><em><p class=\"video-caption\"> Kaum erforscht, kantonal unterschiedlich und politisch umk\u00e4mpft: Das Schweizer Asylsystem kurz erkl\u00e4rt. (Video mit G\u00fclsha Adilji, Foto: Peter Klaunzer\/Keystone)<\/em><em><\/p><\/em><\/p>\n<p><em>Von Martin Stoll und Christian Zeier. <\/em><strong>Der Asyl-Atlas von \u00d6ffentlichkeitsgesetz.ch und dem Recherche-Team Reflekt zeigt erstmals, wie sich Menschen im Asylprozess zwischen 1994 und 2025 auf die Schweizer Gemeinden verteilten \u2013 und weshalb manche Gemeinden niemanden aufnahmen.<\/strong><\/p>\n<p>Die Datenanalyse zeigt enorme Unterschiede. In einzelnen Gemeinden lebten im Asylprozess zeitweise bis zu 35 Personen pro 100 Einwohner. Gleichzeitig gibt es fast 100 Gemeinden, in denen seit 1994 keine einzige Person registriert war.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Zwei Ans\u00e4tze, 26 L\u00f6sungen<\/strong><\/p>\n<p>Die grossen Unterschiede sind nicht zwingend Ausdruck fehlender Solidarit\u00e4t. Sie haben vor allem mit den kantonalen Verteilmodellen zu tun. Zwar werden Menschen im Asylprozess proportional zur Bev\u00f6lkerung auf die Kantone verteilt. Wie sie anschliessend den Gemeinden zugewiesen werden, entscheiden die Kantone jedoch selbst.<\/p>\n<p>Bei dieser Aufteilung auf die Gemeinden werden zwei Ans\u00e4tze angewendet: Beim Quotensystem muss jede Gemeinde proportional zu ihrer Bev\u00f6lkerung Personen aufnehmen. Bei zentral gesteuerten Systemen bestimmt der Kanton oder eine kantonale Organisation die Standorte und sucht geeignete Unterk\u00fcnfte.<\/p>\n<p>Wie sich diese Systeme \u00fcber Jahrzehnte auf einzelne Gemeinden ausgewirkt haben, wurde bisher kaum untersucht. Bei dieser L\u00fccke setzt der von \u00d6ffentlichkeitsgesetz.ch und Reflekt erarbeitete <a href=\"https:\/\/www.asylatlas.ch\/\">Asyl-Atlas<\/a> an.<\/p>\n<div class=\"infobox\"><\/p>\n<p><strong>Mehr Wissen f\u00fcr bessere Entscheidungen<\/strong><\/p>\n<p>Der Asyl-Atlas ist Teil einer Initiative von \u00d6ffentlichkeitsgesetz.ch, die Verwaltungsdaten beschafft, aufbereitet und \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich macht. Ziel ist es, neue Datengrundlagen f\u00fcr Forschung, Politik und Medien zu schaffen. Nach der Wohnkosten-Recherche \u00ab<a href=\"https:\/\/mietlimite.ch\/recherchen\/wohnen-am-limit\/\">Wohnen am Limit<\/a>\u00bb wird dieser Ansatz nun mit dem Asyl-Atlas fortgef\u00fchrt.<br \/>\n<\/div>\n<p>Daf\u00fcr beschafften wir gest\u00fctzt auf das \u00d6ffentlichkeitsgesetz beim Staatssekretariat f\u00fcr Migration (SEM) einen Datensatz zu den Asylzuweisungen der vergangenen 32 Jahre. Zusammen mit den Bev\u00f6lkerungszahlen berechneten wir daraus die Asylquoten aller Schweizer Gemeinden. Sie gibt an, wie viele Personen im Asylprozess auf 100 Einwohner einer Gemeinde kommen. Die Ergebnisse der Datenanalyse wurden Regionalredaktionen in der ganzen Schweiz zur Verf\u00fcgung gestellt und dienten als Ausgangspunkt f\u00fcr weitere Recherchen vor Ort.<\/p>\n<p><strong>Viele offene Fragen<\/strong><\/p>\n<p>Die Auswirkungen der unterschiedlichen Verteilsysteme sind bis heute weitgehend unerforscht. Bekannt ist, dass Kantone mit Gemeindequote bei anerkannten Fl\u00fcchtlingen tendenziell tiefere Sozialhilfequoten aufweisen als Kantone, die auf Zentren setzen. Doch dieser Unterschied l\u00e4sst sich nicht einfach auf das Verteilsystem zur\u00fcckf\u00fchren. \u00abBestimmte Kantone sind wirtschaftlich schlicht im Vorteil\u00bb, sagt Migrationsforscher Didier Ruedin von der Universit\u00e4t Neuenburg. Die Wirtschaftsstruktur und der Mix der Herkunftsl\u00e4nder seien wichtige Faktoren.<\/p>\n<div class=\"infobox\"><\/p>\n<p><strong>Drei Kantone, drei Wege <\/strong><\/p>\n<p><div id=\"attachment_19381\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"width: 385px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-19381 size-full\" src=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2026\/06\/273463120_highres.jpg\" alt=\"\" width=\"375\" height=\"211\" srcset=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2026\/06\/273463120_highres.jpg 375w, https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2026\/06\/273463120_highres-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 375px) 100vw, 375px\" \/> Ein unbegleiteter minderj\u00e4hriger Asylsuchender im Transitzentrum \u00abLandhaus\u00bb in Davos. (Foto Gian Ehrenzeller\/Keystone)<p class=\"wp-caption-text\"><\/p><\/div><\/p>\n<p><strong>Wie unterschiedlich die Unterbringung von Menschen im Asylprozess in der Schweiz organisiert wird, zeigen die Beispiele Bern, Waadt und St. Gallen<\/strong>.<br \/>\n<div class=\"infobox-more\"><button class=\"info-plus\" type=\"button\"><\/button><div class=\"infobox-inner\"><\/p>\n<ul>\n<li>Im Kanton Bern erfolgt die Unterbringung weitgehend zentral \u00fcber regionale Partnerorganisationen und gr\u00f6ssere Unterk\u00fcnfte. Dies erm\u00f6glicht eine geb\u00fcndelte Betreuung und Infrastruktur, f\u00fchrt aber dazu, dass sich die Verantwortung auf einzelne Gemeinden konzentriert.<\/li>\n<li>Im Kanton Waadt pr\u00e4gt vor allem der Wohnungsmarkt die Verteilung. Weil bezahlbarer Wohnraum h\u00e4ufiger in finanzschw\u00e4cheren Gemeinden verf\u00fcgbar ist, leben dort \u00fcberdurchschnittlich viele Menschen im Asylprozess.<\/li>\n<li>Einen dritten Weg geht St. Gallen: Dort werden die Gemeinden von Anfang an eingebunden und k\u00f6nnen einen Grossteil der ihnen zugewiesenen Personen freiwillig ausw\u00e4hlen und aufnehmen. Erst wenn keine freiwillige L\u00f6sung zustande kommt, greift der Verteilschl\u00fcssel.<\/li>\n<\/ul>\n<p><\/div><\/div><\/p>\n<p><\/div>\n<p>Laut Dominik Hangartner, ETH-Professor f\u00fcr Politikanalyse und Co-Direktor des Immigration Policy Lab, fehlt in der Schweiz bislang eine systematische Auswertung der unterschiedlichen kantonalen Systeme.<\/p>\n<p>Zwar diskutiert die Schweiz seit Jahren intensiv dar\u00fcber, wie viele Menschen sie aufnehmen soll. Wenig weiss man dar\u00fcber, wie die Verantwortung am besten verteilt wird. F\u00fchrt eine breite Verteilung der Gefl\u00fcchteten zu mehr Akzeptanz oder \u00fcberfordert sie kleinere Gemeinden? F\u00f6rdert die Konzentration in gr\u00f6sseren Zentren die Integration oder ist die dezentrale Unterbringung der bessere Weg? Wie beeinflusst der Verteilschl\u00fcssel das politische Klima in einer Gemeinde?\u00a0Der Asyl-Atlas schafft zur Beantwortung solcher und weiterer Fragen eine neue Datengrundlage.<\/p>\n<hr \/>\n<p class=\"p1\">Mit den herausverlangten Daten wurden Artikel realisiert von \u00ab<a href=\"https:\/\/www.shaz.ch\/2026\/06\/25\/auf-sonderwegen\/\">Schaffhauser AZ<\/a>\u00bb \u00ab<a href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/asylquote-so-viele-asylsuchende-leben-in-ihrer-gemeinde-593515699423\">Tages-Anzeiger<\/a>\u00bb \u00ab<a href=\"https:\/\/www.aargauerzeitung.ch\/aargau\/kanton-aargau\/oberwil-lieli-keine-schweizer-gemeinde-nimmt-weniger-asylsuchende-auf-ld.4181102\">Aargauer Zeitung<\/a>\u00bb \u00ab<a href=\"https:\/\/www.zentralplus.ch\/gesellschaft\/exklusiv-hier-in-zug-leben-die-meisten-asylsuchenden-2879628\/\">Zentralplus &#8211; Zug<\/a>\u00bb \u00ab<a href=\"https:\/\/www.zentralplus.ch\/gesellschaft\/exklusiv-hier-in-luzern-leben-die-meisten-asylsuchenden-2879512\/\">Zentralplus &#8211; Luzern<\/a>\u00bb \u00ab<a href=\"https:\/\/www.solothurnerzeitung.ch\/solothurn\/kanton-solothurn\/fluechtlinge-in-solothurn-verteilung-auf-gemeinden-variiert-stark-ld.4186434\">Solothurner Zeitung<\/a>\u00bb \u00ab<a href=\"https:\/\/www.bzbasel.ch\/basel\/baselland\/warum-laufen-im-baselbiet-viele-asylsuchende-anzieht-ld.4188923\">bz Basel<\/a>\u00bb \u00ab<a href=\"https:\/\/www.24heures.ch\/asile-les-cantons-romands-accueillent-plus-de-requerants-107747656977\">24heures<\/a>\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Martin Stoll und Christian Zeier. 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