{"id":19134,"date":"2026-03-23T17:51:54","date_gmt":"2026-03-23T16:51:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/?p=19134"},"modified":"2026-03-23T18:34:36","modified_gmt":"2026-03-23T17:34:36","slug":"offene-verwaltung-fuer-die-praevention-von-krisen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/2026\/03\/offene-verwaltung-fuer-die-praevention-von-krisen\/","title":{"rendered":"Offene Verwaltung f\u00fcr die Pr\u00e4vention von Krisen"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_19143\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"width: 592px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-19143 size-full\" src=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2026\/03\/Bild_on-stage-lausanne-regio.jpg\" alt=\"\" width=\"582\" height=\"327\" srcset=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2026\/03\/Bild_on-stage-lausanne-regio.jpg 582w, https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2026\/03\/Bild_on-stage-lausanne-regio-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 582px) 100vw, 582px\" \/> Wissenschaft, Verwaltung und Medien: Transparenz aus unterschiedlichen Blickwinkeln beim \u00abCaf\u00e9 Transparence on stage\u00bb in Lausanne. (Foto: Violette Buchs)<p class=\"wp-caption-text\"><\/p><\/div>\n<p><em>Von Eva Hirschi<\/em>. <strong>Am ausgebuchten \u00abCaf\u00e9 Transparence on stage\u00bb von \u00d6ffentlichkeitsgesetz.ch in Lausanne diskutierten Staatsrat Fr\u00e9d\u00e9ric Borloz, Professor Martial Pasquier und Journalistin Camille Krafft \u00fcber die Bedeutung von Verwaltungstransparenz in Krisenzeiten.<\/strong><\/p>\n<p>Wie transparent muss die Verwaltung sein? Krisen wie in Crans-Montana, bei der Lausanner Polizei oder um die Steuern im Kanton Waadt machen die Frage dringlich. \u00abEs kann nie genug Transparenz geben. Die Frage ist, was man preisgeben kann und was nicht\u00bb, sagt der Waadtl\u00e4nder Staatsrat Fr\u00e9d\u00e9ric Borloz an der Podiumsdiskussion.\u00a0<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Neben Fr\u00e9d\u00e9ric Borloz diskutierten Martial Pasquier (IDHEAP, Universit\u00e4t Lausanne) und Camille Krafft (\u00abBlick Romandie\u00bb). Moderiert wurde das Podium von Bastien von Wyss <em>(\u00d6ffentlichkeitsgesetz.ch)<\/em>.<\/p>\n<p><strong>Sorgt Transparenz f\u00fcr Vertrauen?<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr Camille Krafft ist das \u00d6ffentlichkeitsprinzip zentral, f\u00fcr den Journalismus ebenso wie f\u00fcr eine funktionierende Verwaltung: \u00abMan weiss: Wenn man etwas tut, besteht die M\u00f6glichkeit, dass dies \u00f6ffentlich wird.\u00bb Ein gutes Beispiel daf\u00fcr sei die Lausanner Polizei: Als die Probleme durch die Medien publik wurden, sei die Polizei kritisch hinterfragt worden und man habe beschlossen, die Transparenz zu erh\u00f6hen \u2013 das sei eine positive Auswirkung.<\/p>\n<hr \/>\n<p><div class=\"iframe-container\"><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/player.simplecast.com\/04caeb6a-3063-494d-8b3f-32aa6edafb7c?dark=true\" width=\"100%\" height=\"200px\" frameborder=\"no\" scrolling=\"no\" seamless=\"\"><\/iframe><\/div><\/p>\n<hr \/>\n<p>Zudem verm\u00f6ge Transparenz das Verst\u00e4ndnis und das Vertrauen in die Institutionen zu st\u00e4rken: F\u00fcr eine Recherche zu Zwangsr\u00fcckf\u00fchrungen von Gefl\u00fcchteten habe sie via Zugangsgesuch Polizeiprotokolle einsehen k\u00f6nnen, was es ihr erlaubt habe, den Prozess f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit nachzuzeichnen \u2013 auch aus Sicht der Polizisten.<br \/>\n\u00abDas ist von \u00f6ffentlichem Interesse\u00bb, sagte Camille Krafft. F\u00fcr diese Recherche wurde sie mit dem 3. Platz des Prix Transparence Regio 2025 ausgezeichnet.<\/p>\n<p>Aus wissenschaftlicher Sicht sei es nicht einfach, einen Zusammenhang zwischen Transparenz und Vertrauen in die Beh\u00f6rden oder Effizienz der Verwaltungsabl\u00e4ufe aufzuzeigen, sagte Martial Pasquier: \u00abEs gibt derzeit keine internationale Studie, die diese Auswirkung der Transparenz belegen kann.\u00bb Gleichzeitig m\u00fcsse man anmerken, dass Transparenz nur einer von mehreren Faktoren ist, die das Vertrauen in die Institutionen beeinflussen. \u00abIch will damit aber nicht sagen, dass es keine Transparenz geben sollte\u00bb, so Pasquier. Politisch sei Transparenz unumstritten, niemand sei dagegen. Es fehle jedoch an einer gelebten Transparenzkultur.<\/p>\n<p><strong>Zweischneidige Fristen<\/strong><\/p>\n<p>Dass Transparenz Krisen verhindern und das Vertrauen erh\u00f6hen k\u00f6nne, bezweifelte Staatsrat Fr\u00e9d\u00e9ric Borloz. \u00abIn meinem Departement bin ich der Einzige, der zur Rechenschaft gezogen werden kann, weil ich der Einzige bin, der gew\u00e4hlt wurde. Aber mit den meisten Dokumenten, die angefordert werden, habe ich nichts zu tun gehabt.\u00bb In seiner Wahrnehmung berichten die Medien vor allem \u00fcber Missst\u00e4nde und selten \u00fcber gut funktionierende Prozesse, was das Vertrauen in die Beh\u00f6rden nicht f\u00f6rdere.<\/p>\n<p>Er kenne vor allem die Konsequenzen auf Verwaltungsseite: Auch wenn er Transparenz begr\u00fcsse, k\u00f6nnten Zugangsgesuche die Verwaltung \u00fcberfordern, insbesondere bei grossem Umfang. Hinzu komme der zeitliche Druck: \u00abDie Beantwortungsfrist von 15 Tagen ist sehr kurz. Manchmal ist es rein materiell unm\u00f6glich, so schnell zu antworten.\u00bb Es fehle an Ressourcen.<\/p>\n<p>Anders sah das Camille Krafft: \u00ab15 Tage sind lang. Wir brauchen die Dokumente schnell, um unsere Recherchen belegen zu k\u00f6nnen.\u00bb Sie habe F\u00e4lle erlebt, in denen sie Missst\u00e4nde mit einem Dokument belegen wollte, dieses aber erst Jahre sp\u00e4ter nach einem Bundesgerichtsurteil erhalten habe. Zwar habe es die Missst\u00e4nde best\u00e4tigt. Die betroffene Person sei inzwischen nicht mehr in der Verwaltung t\u00e4tig gewesen und der Staatsrat anders zusammengesetzt, die Recherche habe damit an Bedeutung verloren.<\/p>\n<p>\u00abEs gibt Verwaltungen, die absichtlich die Beantwortung von Zugangsgesuchen verz\u00f6gern\u00bb, sagte Martial Pasquier. Er fordert ein schnelleres Abw\u00e4gen der Interessen. \u00abSonst verlieren die Informationen an Wert.\u00bb Derzeit l\u00e4uft im Kanton Waadt eine Revision des kantonalen \u00d6ffentlichkeitsgesetzes; der Entwurf sieht vor, die Frist von 15 auf 30 Tage zu verl\u00e4ngern.<\/p>\n<p><strong>L\u00f6sungsans\u00e4tze f\u00fcr mehr Transparenz<\/strong><\/p>\n<p>Hilfreich aus Sicht von Camille Krafft w\u00e4re, wenn es Listen mit den vorhandenen Dokumenten g\u00e4be. \u00abManchmal wissen wir gar nicht, welche Dokumente existieren, deshalb fallen gewisse Zugangsgesuche so umfassend aus.\u00bb Auch f\u00e4nde sie es n\u00fctzlich, wenn in jedem Amt eine bestimmte Person f\u00fcr Zugangsgesuche verantwortlich w\u00e4re, mit der man \u00fcber die Dokumente sprechen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Fr\u00e9d\u00e9ric Borloz sieht die L\u00f6sung weniger in der Bereitstellung von Listen, sondern in der proaktiven Ver\u00f6ffentlichung von Dokumenten auf den Websites der Verwaltung. \u00abWir h\u00e4tten weniger Probleme, wenn wir die Informationen selbst bereitstellen, anstatt die Gesuche zu erdulden. Das entspricht meiner Einstellung und das versuche ich, umzusetzen\u00bb, sagte Borloz.<\/p>\n<p>Auch Martial Pasquier begr\u00fcsst die proaktive Ver\u00f6ffentlichung von Dokumenten. Zudem pl\u00e4diert er f\u00fcr mehr Standardisierung, damit Zahlen und Fakten \u00fcber Gemeinde- und Kantonsgrenzen hinweg vergleichbar werden, was der F\u00f6deralismus teilweise erschwert: \u00abDas w\u00fcrde die Transparenz st\u00e4rken.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Eva Hirschi. Am ausgebuchten \u00abCaf\u00e9 Transparence on stage\u00bb von \u00d6ffentlichkeitsgesetz.ch in Lausanne diskutierten Staatsrat Fr\u00e9d\u00e9ric Borloz, Professor Martial Pasquier und Journalistin Camille Krafft \u00fcber die Bedeutung von Verwaltungstransparenz in Krisenzeiten. Wie transparent muss die Verwaltung sein? 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