{"id":1580,"date":"2011-07-10T11:42:11","date_gmt":"2011-07-10T09:42:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/?p=1580"},"modified":"2015-01-16T16:43:16","modified_gmt":"2015-01-16T15:43:16","slug":"unsere-gesundheitsbehorden-stehen-nicht-auf-transparenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/2011\/07\/unsere-gesundheitsbehorden-stehen-nicht-auf-transparenz\/","title":{"rendered":"Unsere Gesundheitsbeh\u00f6rden stehen nicht auf Transparenz"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_1579\" class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 592px\"><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1579\" src=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2011\/07\/Bild-Ekif.jpg\" alt=\"\" width=\"582\" height=\"370\" \/><\/em><p class=\"wp-caption-text\">In der Kampagne f\u00fcr die HPV-Impfung junger Frauen spielten Experten eine wichtige Rolle. Ihre Interessenbindungen sind bis heute unter Verschluss. (Foto: Keystone)<\/p><\/div>\n<p><em>Von Catherine Riva. <\/em><strong>Die Eidgen\u00f6ssische Kommission f\u00fcr Impffragen (EKIF) ber\u00e4t die Schweizer Gesundheitsbeh\u00f6rden in Fachfragen. Die Mitglieder dieser ausserparlamentarischen Kommission sind verpflichtet, Verflechtungen und allf\u00e4llige Interessenskonflikte mit der pharmazeutischen Industrie komissionsintern offen zu legen.<\/strong><\/p>\n<p>Seit Februar 2008 habe ich mich um diese Erkl\u00e4rungen bem\u00fcht. Anlass waren meine Recherchen zur HPV-Impfung, die aber f\u00e4lschlicherweise als \u00abImpfung gegen den Geb\u00e4rmutterhalskrebs\u00bb bezeichnet wird. Ich wurde damals auf die intensiv gef\u00fchrte Sensibilisierungskampagne aufmerksam, welche von den Produzenten dieser Impfstoffe betrieben wurde, um die Nachfrage nach ihren Produkten zu f\u00f6rdern. Meine Recherchen zeigten mir schon bald, dass die Experten beratender Fachgremien ein wichtiger Faktor im Marketingkonzept dieser Firmen waren.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ich wollte wissen, ob die Mitglieder der EKIF Verbindungen mit den Impfstoffherstellern hatten und verlangte ein erstes Mal im Februar 2008 Auskunft vom Bundesamt f\u00fcr Gesundheit (BAG). Auf meine informelle Anfrage hin hiess es dort: Die von mir gew\u00fcnschten Erkl\u00e4rungen zu den Interessensbindungen seien vertraulich.<\/p>\n<p><strong>Aus Prinzip f\u00fcr die Offenlegung gek\u00e4mpft<\/strong><\/p>\n<div class=\"mceTemp\">\n<p>Ein Jahr sp\u00e4ter, im Juni 2009, nahm ich meine Recherchen zu dieser Impfung gemeinsam mit Dr. Jean-Pierre Spinosa wieder auf und stellte meine Anfrage beim BAG erneut. Dieses Mal berief ich mich auf das \u00d6ffentlichkeitsgesetz (BG\u00d6).<\/p>\n<p>Meine Kurzbilanz, heute, zwei Jahre nach dieser Anfrage: Unser Buch* ist seit einem Jahr auf dem Markt, die Erkl\u00e4rungen zu den Interessensbindungen habe ich noch immer nicht gesehen. Dies, obwohl mein Einsichtsgesuch von mehreren Instanzen f\u00fcr zul\u00e4ssig erkl\u00e4rt wurde. Zuerst durch den Eidgen\u00f6ssischen Datenschutz- und \u00d6ffentlichkeitsbeauftragten (ED\u00d6B), der im Februar 2010 dem BAG und der EKIF <a href=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/downloads\/dokumente\/2010\/2010_02_12_empfehlung_bag_interessenerklaerungen_von_kommissionsmitgliedern_ekif.pdf\">empfahl<\/a>, die Erkl\u00e4rungen zu den Interessensbindungen \u00f6ffentlich zu machen. Dann k\u00fcrzlich durch das <a href=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/downloads\/dokumente\/2011\/2011_06_17_bvger_Empfehlung%20BAG_Interessenerklaerungen_Kommissionsmitglieder_ekif.pdf\">Bundesverwaltungsgericht<\/a>, welche diese Empfehlung gerichtlich best\u00e4tigte. Da das BAG gegen dieses Urteil noch rekurrieren kann, warte ich immer noch auf die Dokumente.<\/p>\n<p>Zwei Jahre sind eine lange Zeit. W\u00e4re es einzig um die Information gegangen, h\u00e4tte ich mein Vorhaben wahrscheinlich l\u00e4ngst aufgegeben. Denn die Informationen, welche die Experten den B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern vorenthalten, sind auch andernorts erh\u00e4ltlich. Die Experten m\u00fcssen sie gegen\u00fcber den Fachzeitschriften deklarieren, in denen sie ihre wissenschaftlichen Aufs\u00e4tze publizieren. Oder gegen\u00fcber anderen Kommissionen, in denen sie Einsitz haben, oder dann gegen\u00fcber den \u00c4mtern, bei denen sie ihre Patente anmelden.<\/p>\n<p>Muss man daraus schliessen, dass die Bev\u00f6lkerung Transparenz weniger verdient, als das angesehene Fachjournal The Lancet, die Expertenkommissionen der Weltgesundheitsorganisation oder die Datenablagen der Weltorganisation f\u00fcr geistiges Eigentum?<\/p>\n<p>Bei meinem Entscheid, alle Mittel auszusch\u00f6pfen, um an diese Informationen zu kommen, ging es mir ums Prinzip. In einer Demokratie gibt es keinen stichhaltigen Grund daf\u00fcr, dass Experten, welche Beh\u00f6rden beraten und B\u00fcrgern Empfehlungen erteilen, nicht ordnungsgem\u00e4ss Auskunft \u00fcber ihre Interessenbindungen geben. Ohne diese Aufkl\u00e4rung darf nicht von objektiven medizinischen Informationen und informierter Einwilligung die Rede sein.<\/p>\n<p><strong>Kommission \u00e4nderte Reglement, als sie zur Transparenz gezwungen wurde<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"mceTemp\">\n<p>Die Frage nach der Interesenkonflikte von Experten ist zentral. Umso mehr weil im Gesundheitsbereich die N\u00e4he mit der pharmazeutischen Industrie nie harmlos ist. Aus der wissenschaftlichen Literatur wissen wir, dass Interessenkonflikte Analysen und Empfehlungen von Experten beeinflussen. Das geschieht unabh\u00e4ngig von deren Intelligenz, Erfahrung, Absichten oder Bildungsstand. Leider wird diese Tatsache von Betroffenen, Politik und Medien entweder negiert oder krass untersch\u00e4tzt. Die meisten B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger und Politiker glauben f\u00e4lschlicherweise, dass die Empfehlungen der Gesundheitsbeh\u00f6rden das Ergebnis einer unabh\u00e4ngigen Begutachtung sind.<\/p>\n<p>Das BAG ist dem Transparenzgedanke sehr abgeneigt, die Eidgen\u00f6ssische Kommission f\u00fcr Impffragen ebenfalls. Der Grund, der von ihnen geltend gemacht wird ist: Wenn die Interessenskonflikte der Experten \u00f6ffentlich werden, wird die Bev\u00f6lkerung verwirrt. Oder anders: Besser man l\u00e4sst uns im Unwissen, die Experten wissen ja bestens, was gut f\u00fcr uns ist. Diese Sicht der Dinge ist paternalistisch, antidemokratisch und falsch. Aber sie ist tief verankert im Geist unserer Gesundheitsbeh\u00f6rden und ist wahrscheinlich der Grund f\u00fcr die Vehemenz, mit der sie immer wieder versucht haben, die Interessenbindungen geheim zu halten.<\/p>\n<p>Und noch etwas zeigt, dass die Gesundheitsbeh\u00f6rden der Transparenz nicht zugeneigt sind: Seit sie dazu verpflichtet wurden, die Interessensbindungen \u00f6ffentlich zu machen, hat die EKIF ihr Reglement ge\u00e4ndert, insbesondere die Definition des Begriffs \u00abscheinbare Interessenskonflikte\u00bb: Die betroffene Person muss sie zwar deklarieren, aber das BAG und die EKIF sind der Meinung, dass solche Konflikte die Experten nicht beeinflussen.<\/p>\n<p>Diese Relativierung steht im krassen Gegensatz zu den Regeln international vergleichbarer Gremien. Weder in Deutschland, noch in Frankreich oder den Vereinigten Staaten gibt es eine solche Auslegung.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"mceTemp\">\n<p>Immerhin hat das \u00d6ffentlichkeitsgesetz das BAG und die EKIF dazu gezwungen, nicht mehr in der absoluten Intransparenz zu funktionieren. Das ist schon mal eine gute Sache. Aber die Beh\u00f6rde ist noch sehr weit davon entfernt, vollkommen offen zu agieren. Deshalb m\u00fcssen wir ihnen weiterhin auf die Finger schauen. Wir haben das Recht die Frage zu stellen, ob ihre Empfehlungen tats\u00e4chlich dem Wohl der Gesellschaft oder vielmehr dem Wohl profitorientierter Akteure dienen.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"mceTemp\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Catherine Riva ist freie Journalistin in Winterthur<\/em><\/p>\n<div class=\"mceTemp\">\n<hr \/>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1598\" src=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2011\/07\/Piqure_Big.jpg\" alt=\"\" width=\"132\" height=\"185\" \/>* Literaturhinweis: <a href=\"http:\/\/www.dubdolls.com\/download\/HPV-book-argumentaire_dFIN.pdf\">Catherine Riva\/Jean Pierre Spinosa Eine Spritze zuviel? Warum werden junge M\u00e4dchen gegen Geb\u00e4rmutterhalskrebs geimpft. Verlag Xenia, 2010<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Catherine Riva. 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