{"id":15259,"date":"2023-05-07T20:19:24","date_gmt":"2023-05-07T19:19:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/?p=15259"},"modified":"2023-05-07T20:19:24","modified_gmt":"2023-05-07T19:19:24","slug":"so-ging-yves-demuth-beim-bundesarchiv-vor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/2023\/05\/so-ging-yves-demuth-beim-bundesarchiv-vor\/","title":{"rendered":"So ging Yves Demuth beim Bundesarchiv vor"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_15266\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"width: 592px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15266 size-full\" src=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2023\/04\/Bildschirmfoto-2023-04-28-um-11.00.30.jpg\" alt=\"\" width=\"582\" height=\"327\" srcset=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2023\/04\/Bildschirmfoto-2023-04-28-um-11.00.30.jpg 582w, https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2023\/04\/Bildschirmfoto-2023-04-28-um-11.00.30-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 582px) 100vw, 582px\" \/> \u00abNicht nachvollziehbar\u00bb: Journalist Demuth im Gespr\u00e4ch mit Marguerite Meyer.<p class=\"wp-caption-text\"><\/p><\/div>\n<p><em>Von Eva Hirschi.<\/em> <b>Beim ersten Caf\u00e9 Transparence erkl\u00e4rte Yves Demuth, w<\/b><strong>ie er zu Jugendlichen recherchierte, die in in Schweizer Fabrikheimen interniert gewesen waren. Mit einem Zugangsgesuch blitzte er beim Bundesarc<\/strong><b>hiv zun\u00e4chst ab \u2013 und erhielt wichtige Informationen dann doch noch.<\/b><\/p>\n<p>Dass Datenschutz und Pers\u00f6nlichkeitsrechte wichtig sind, liegt auf der Hand. Wieso das Bundesarchiv jedoch keine genauen Zahlen zu internierten Teenagern herausgeben wollte, verstand der \u00abBeobachter\u00bb-Journalist Yves Demuth nicht.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>F\u00fcr seine Recherche \u00fcber f\u00fcrsorgerische Zwangsmassnahmen in der Schweiz wollte der Journalist unter anderem wissen, wie viele\u00a0jenische\u00a0Frauen in der Nachkriegszeit in spezifischen Heimen untergebracht worden waren.\u00a0Damit wollte Demuth in Erfahrung bringen, wie die Fabrikheime in den damaligen Zwangsmassnahmenapparat eingebunden waren. Die Aufarbeitung der Zwangsmassnahmen gegen\u00fcber Jenischen bot laut Demuth eine einmalige Grundlage f\u00fcr seine Recherchen zu f\u00fcrsorgerischen Zwangsmassnahmen, da eine Datenbank das Ausmass f\u00fcr diese Opfergruppe klar belegt.<br \/>\n\u00a0<br \/>\nAus seiner Medienanfrage wurde ein Zugangsgesuch nach \u00d6ffentlichkeitsgesetz (BG\u00d6). Doch das Bundesarchiv verweigerte konkrete Angaben \u2013 das Gesuch beziehe sich nicht auf ein amtliches Dokument, zudem w\u00fcrde es die Privatsph\u00e4re Dritter beeintr\u00e4chtigen, lautete die Begr\u00fcndung.<\/p>\n<p><div class=\"embed-responsive embed-responsive-16by9\"><div class=\"iframe-container\"><iframe loading=\"lazy\" class=\"embed-responsive-item\"  title=\"Yves Demuth erz\u00e4hlt seine exklusive Heim-Recherche\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/z4IwcftdfWU?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/div><\/div>\n<\/p>\n<p><em><p class=\"video-caption\"><\/em><em>Ein d\u00fcsteres Kapitel Schweizer F\u00fcrsorgegeschichte: Caf\u00e9 Transparence zur \u00abBeobachter\u00bb-Recherche.<\/em><em><\/p><\/em><strong><\/p>\n<p>K\u00f6nnen anonyme Zahlen Pers\u00f6nlichkeitsrechte verletzen?<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Argumentation konnte Yves Demuth nicht folgen. \u00abIch wollte nur wissen, um wie viele Personen es geht, und keine Angaben zu Namen oder Geburtsdaten\u00bb, so Demuth. Dass mit diesen Zahlen R\u00fcckschl\u00fcsse auf Personen gemacht werden k\u00f6nnten, war f\u00fcr ihn nicht nachvollziehbar. Also beantragte er eine Schlichtung beim \u00d6ffentlichkeitsbeauftragten des Bundes (ED\u00d6B). Zu seiner \u00dcberraschung stiess er auch dort auf Widerstand. Der vorgeschlagene Kompromiss: Man w\u00fcrde ihm die Zahlen in 5er-Schritten angeben. \u00abDie Angabe, es handle sich um 15 bis 20 Personen, fand ich jedoch zu ungenau\u00bb, sagt Demuth.<\/p>\n<p>Am meisten st\u00f6rte ihn, dass ihm diese Daten verweigert wurden, obwohl sie in der Vergangenheit schon einmal f\u00fcr ein wissenschaftliches Forschungsprojekt durch den Nationalfonds verwendet und auch publiziert worden waren, sogar \u00fcber eine weit gr\u00f6ssere Zeitspanne. Dies geschah im Kontext des Projekts \u00abKinder der Landstrasse\u00bb. Dieses untersuchte die Praxis von Beh\u00f6rden, Kinder von Fahrenden, insbesondere Jenischen, und ihre Familien systematisch und gewaltsam zu trennen.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Hartn\u00e4ckig bleiben lohnt sich<\/strong><\/p>\n<p>Doch dann geschah etwas Unerwartetes: Das Bundesamt liess das BG\u00d6-Gesuch in eine Medienanfrage umwandeln. \u00abDann kann ich ja Nachfragen nachreichen, so wie man das bei Medienanfragen so macht\u00bb, sagte sich Demuth. Zuvor aber holte er sich Stellungnahmen ein von der betroffenen Stiftung Naschet Jenische sowie zwei Forschenden, die an der wissenschaftlichen Aufarbeitung beteiligt gewesen waren.<\/p>\n<div class=\"infobox mit-bild\"><h2>Wissen zur Verwaltungstransparenz<\/h2><div class=\"flex\"><div class=\"bild\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2023\/04\/cafe_transparence_logo_rgb-160.jpg\"><\/div><div class=\"text\">In der Online-Akademie Caf\u00e9 Transparence vermitteln wir Wissen rund um die \u00d6ffentlichkeitsgesetze von Bund und Kantonen. Medienschaffende erz\u00e4hlen ihre Recherchen und diskutieren mit der Verwaltung.<\/div><\/div><p style=\"text-align:right;margin:0\"><a class=\"sc-button  sc-button-short\" href=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/cafe-transparence\/\">Aktuelle Veranstaltungen<\/a><\/p><\/div>\n<p>Diese antworteten: \u00abWir verstehen nicht, warum der Datenschutz nun erneut wieder restriktiver ausgelegt wird, und wir fragen uns, wer damit gesch\u00fctzt wird.\u00bb Die Vertreterin der Stiftung Naschet Jenische schrieb, es sei f\u00fcr sie als Betroffene schwierig nachvollziehbar, wenn das Bundesarchiv nun weitere Recherchen zur Ausbeutung der \u00abKinder der Landstrasse\u00bb verhindere.<\/p>\n<p>Und siehe da: Jetzt erhielt Yves Demuth die Zahlen vom Bundesarchiv \u2013 und zwar nicht in 5er-Schritten, sondern die konkreten Angaben. R\u00fcckblickend h\u00e4tte Yves Demuth gewisse Dinge vielleicht anders gemacht. Doch er ist froh, dass er hartn\u00e4ckig blieb und schlussendlich konkrete Zahlen publizieren konnte.<\/p>\n<p>Aus seinen Recherchen hat Yves Demuth nun ein Buch publiziert. \u00abSchweizer Zwangsarbeiterinnen\u00bb ist am 18. April 2023 im Beobachter-Verlag erschienen. F\u00fcr seine Recherchen wurde er mit dem Prix Transparence 2022 ausgezeichnet.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Eva Hirschi. Beim ersten Caf\u00e9 Transparence erkl\u00e4rte Yves Demuth, wie er zu Jugendlichen recherchierte, die in in Schweizer Fabrikheimen interniert gewesen waren. Mit einem Zugangsgesuch blitzte er beim Bundesarchiv zun\u00e4chst ab \u2013 und erhielt wichtige Informationen dann doch noch. Dass Datenschutz und Pers\u00f6nlichkeitsrechte wichtig sind, liegt auf der Hand. 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