{"id":14427,"date":"2022-06-28T10:52:40","date_gmt":"2022-06-28T08:52:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/?p=14427"},"modified":"2022-06-29T11:51:57","modified_gmt":"2022-06-29T09:51:57","slug":"der-geheimdienst-plante-einen-angriff-auf-die-transparenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/2022\/06\/der-geheimdienst-plante-einen-angriff-auf-die-transparenz\/","title":{"rendered":"Der Geheimdienst plante einen Angriff auf die Transparenz"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_14447\" class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 589px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-14447 size-full\" src=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2022\/06\/NDB.png\" alt=\"\" width=\"579\" height=\"326\" srcset=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2022\/06\/NDB.png 579w, https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2022\/06\/NDB-300x169.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 579px) 100vw, 579px\" \/> Gerne ein Platz am Schatten: Sitz des Schweizer Geheimdienstes in Bern. (Foto: Peter Klaunzer\/Keystone)<p class=\"wp-caption-text\"><\/p><\/div>\n<p><em>Von Martin Stoll.<\/em><strong> Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) wollte sich von Transparenzpflichten dispensieren lassen. Nach der Intervention des \u00d6ffentlichkeitsbeauftragten krebste der Dienst zur\u00fcck.<\/strong><\/p>\n<p>Mit einer Revision des Nachrichtendienst-Gesetzes verlangt der Schweizer Geheimdienst mehr Kompetenzen, um gewaltt\u00e4tig-extremistische Aktivit\u00e4ten auskundschaften zu k\u00f6nnen. Bis jetzt nicht bekannt war: Der Dienst plante auch, weitgehend vom \u00d6ffentlichkeitsprinzip ausgenommen zu werden.\u00a0<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das Vorhaben des Schweizer Geheimdienstes h\u00e4tte Medienschaffende und B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger empfindlich in ihren Informationsrechten beschnitten. Adrian Lobsiger, der \u00d6ffentlichkeitsbeauftragte des Bundes (ED\u00d6B), machte den verwaltungsinternen Vorgang in seinem <a href=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2022\/06\/A211120_00_cc20_TB-EDOEB_21-22_barrierefrei_DE_web.pdf\">aktuellen Jahresbericht<\/a> publik. Demnach sollten im Nachrichtendienstbetrieb anfallende Informationen dem Geltungsbereich des \u00d6ffentlichkeitsgesetzes pauschal entzogen werden. Bereits im heutigen Nachrichtendienstgesetz (NDG) ist der Zugang zu Dokumenten, welche die Informationsbeschaffung betreffen, eingeschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p><strong>Nach Lobsigers Intervention krebste der Geheimdienst zur\u00fcck<\/strong><br \/>\nMit dem in die Gesetzes-Revision gepackten Vorschlag w\u00e4re der Hauptteil der T\u00e4tigkeit des NDB nicht mehr unter das \u00d6ffentlichkeitsgesetz gefallen, kritisiert der ED\u00d6B. Und: \u00abDies k\u00e4me einem Verstoss gegen den Willen des Gesetzgebers gleich, dessen Absicht es war, Transparenz \u00fcber den Auftrag, die Organisation und die T\u00e4tigkeit der Verwaltung zu schaffen.\u00bb \u00a0<\/p>\n<p>Nachdem sich Lobsiger in der \u00c4mterkonsultation \u00abentschieden\u00bb gegen den Geheimdienst-Plan gestellt hatte, verzichtete der NDB auf die Einf\u00fchrung der Sonderregeln. So muss der Geheimdienst auch k\u00fcnftig bei jedem Gesuch begr\u00fcnden, warum er die Einsicht verweigern will. Mit dem heutigen \u00d6ffentlichkeitsgesetz k\u00f6nnen Informationen von der Verwaltung zur\u00fcckgehalten werden, wenn sie beispielsweise die innere Sicherheit oder die Beziehungen zu einem anderen Staat beeintr\u00e4chtigen.<\/p>\n<p>Laut der Berichterstattung des ED\u00d6B ist das Bed\u00fcrfnis der \u00d6ffentlichkeit nach Verwaltungstransparenz so gross wie noch nie. Im Jahr 2021 gingen bei der Verwaltung des Bundes 1385 Zugangsgesuche ein \u2013 16 Prozent mehr als im Jahr zuvor.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-14435\" src=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2022\/06\/Zugangsgesuche-2021.png\" alt=\"\" width=\"380\" height=\"380\" srcset=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2022\/06\/Zugangsgesuche-2021.png 1040w, https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2022\/06\/Zugangsgesuche-2021-300x300.png 300w, https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2022\/06\/Zugangsgesuche-2021-682x682.png 682w, https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2022\/06\/Zugangsgesuche-2021-150x150.png 150w, https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2022\/06\/Zugangsgesuche-2021-768x768.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px\" \/><\/p>\n<p>Bei der Entwicklung der Verwaltungstransparenz spielen Medien laut Lobsiger eine entscheidende Rolle: Informationsrechte w\u00fcrden intensiver wahrgenommen, weil diese dar\u00fcber berichteten. Die hohen Zugangsgesuchszahlen stehen aber auch im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie: Im vergangenen Jahr wurde in 24 Prozent der Gesuche nach Corona-Dokumenten verlangt.<\/p>\n<div class=\"infobox\"><\/p>\n<p><strong>Am Verhandlungstisch kommt es oft zur Einigung<\/strong><\/p>\n<p>Beim \u00d6ffentlichkeitsbeauftragten des Bundes gingen im letzten Jahr 149 Schlichtungsantr\u00e4ge ein. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Anstieg von 60 Prozent.<\/p>\n<p><div class=\"infobox-more\"><button class=\"info-plus\" type=\"button\"><\/button><div class=\"infobox-inner\"><\/p>\n<p style=\"line-height: 150%\">In den 565 F\u00e4llen, in denen die Bundesverwaltung den Zugang zu Daten oder Dokumenten vollst\u00e4ndig oder teilweise verweigerte oder vorbrachte, es seien keine amtlichen Dokumente vorhanden, wehrten sich 26 Prozent der Betroffenen. Darunter waren 53 Medienschaffende und 49 Privatpersonen.<\/p>\n<p style=\"line-height: 150%\">Im Corona-Jahr 2021 wurde das Schlichtungsverfahren teilweise schriftlich durchgef\u00fchrt. Bemerkenswert ist: Bei den schriftlichen Schlichtungsverfahren konnte nur in 5 Prozent der F\u00e4lle eine Einigung gefunden werden. In den F\u00e4llen, in denen Verwaltung und Zugangsgesuchstellende sich aber am Verhandlungstisch trafen, war eine Einigung in 67 Prozent der F\u00e4lle m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Nicht alle Schlichtungsantr\u00e4ge konnten im vergangenen Jahr wie vorgeschrieben in dreissig Tagen erledigt werden. Zurzeit ist der Datenschutzbeauftragte im Bereich \u00d6ffentlichkeitsprinzip mit 4,4 Stellen dotiert. Das gen\u00fcge nicht f\u00fcr eine gesetzeskonforme Erf\u00fcllung der Aufgabe, heisst es im Bericht.\u00a0<\/p>\n<p><\/div><\/div><\/p>\n<p><\/div>\n<p>Erfreulich ist laut ED\u00d6B, dass sich die Zahl der vollst\u00e4ndigen Zugangsverweigerungen im Laufe der Jahre auf knapp zehn Prozent einpendelt hat. Bei einzelnen \u00c4mtern lag die Verweigerungsquote im letzten Jahr aber deutlich h\u00f6her, so etwa beim Nachrichtendienst (75 Prozent abgewiesene Gesuche) oder im Generalsekretariat von Finanzminister Ueli Maurer (52 Prozent abgewiesen). Sein Finanzdepartement ist \u2013 wie in den vergangenen Jahren \u2013 dasjenige mit der h\u00f6chsten Zugangsverweigerungs-Quote.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-14470 alignnone\" src=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2022\/06\/Die-5-Schwierigsten_v2.png\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"238\" srcset=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2022\/06\/Die-5-Schwierigsten_v2.png 840w, https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2022\/06\/Die-5-Schwierigsten_v2-300x204.png 300w, https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2022\/06\/Die-5-Schwierigsten_v2-682x463.png 682w, https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2022\/06\/Die-5-Schwierigsten_v2-768x521.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/p>\n<p>Einen Transparenz-Spitzenplatz belegte 2021 das B\u00fcro f\u00fcr die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG) und das Bundesamt f\u00fcr Lebensmittelsicherheit und Veterin\u00e4rwesen (BLV). Am besten schnitt das Innendepartement mit einer durchschnittlichen Zugangsverweigerungsquote von sechs Prozent ab.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-14460\" src=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2022\/06\/Die-5-transparentesten_v2.png\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"238\" srcset=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2022\/06\/Die-5-transparentesten_v2.png 840w, https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2022\/06\/Die-5-transparentesten_v2-300x204.png 300w, https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2022\/06\/Die-5-transparentesten_v2-682x463.png 682w, https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2022\/06\/Die-5-transparentesten_v2-768x521.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/p>\n<p>Das Verteidigungsdepartement (VBS) sch\u00f6nte auch dieses Jahr die Statistik, indem es Routine-Anfragen von Sportverb\u00e4nden und Kantonen ans Bundesamt f\u00fcr Sport (Baspo) in seine Transparenz-Statistik miteinrechnete. Mit diesem Trick schummelte sich das Departement Verteidigungsministerin von Viola Amherd an die Spitze. Bei seri\u00f6ser Berechnung landete es allerdings lediglich auf dem vierten Platz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Martin Stoll. Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) wollte sich von Transparenzpflichten dispensieren lassen. Nach der Intervention des \u00d6ffentlichkeitsbeauftragten krebste der Dienst zur\u00fcck. Mit einer Revision des Nachrichtendienst-Gesetzes verlangt der Schweizer Geheimdienst mehr Kompetenzen, um gewaltt\u00e4tig-extremistische Aktivit\u00e4ten auskundschaften zu k\u00f6nnen. 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