{"id":14140,"date":"2022-03-28T09:48:20","date_gmt":"2022-03-28T08:48:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/?p=14140"},"modified":"2022-03-28T20:14:33","modified_gmt":"2022-03-28T19:14:33","slug":"transparenz-verbote-sind-nicht-sakrosankt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/2022\/03\/transparenz-verbote-sind-nicht-sakrosankt\/","title":{"rendered":"Transparenz-Verbote sind nicht sakrosankt"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_14150\" class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 592px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-14150 size-full\" src=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2022\/03\/459412242_highres.jpg\" alt=\"\" width=\"582\" height=\"327\" srcset=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2022\/03\/459412242_highres.jpg 582w, https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2022\/03\/459412242_highres-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 582px) 100vw, 582px\" \/> Transparenzrechte der \u00d6ffentlichkeit gest\u00e4rkt: Bundesgericht in Lausanne. (Foto: Cyril Zingaro\/Keystone)<p class=\"wp-caption-text\"><\/p><\/div>\n<p><strong>Die Pensionskasse des Kantons Genf soll keine Blackbox sein. Dies hat das Bundesgericht in einem Verfahren gegen die Genfer Justiz entschieden. Ein Journalist wollte das Protokoll einer Vorstandssitzung einsehen, was ihm die Pensionskasse verweigerte.<\/strong><\/p>\n<p>Die Genfer Pensionskasse unterliegt dem \u00d6ffentlichkeitsprinzip und dieses hat Vorrang gegen\u00fcber dem Bundesgesetz \u00fcber die berufliche Vorsorge (BVG) in dem eine Schweigepflicht verankert ist. Das geht aus einem k\u00fcrzlich publizierten <a href=\"https:\/\/www.bger.ch\/ext\/eurospider\/live\/fr\/php\/aza\/http\/index.php?highlight_docid=aza%3A%2F%2Faza:\/\/03-03-2022-1C_336-2021&amp;lang=fr&amp;zoom=&amp;type=show_document\">Urteil<\/a> des Bundesgerichts hervor.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Genfer Justiz berief sich auf das BVG, um einem Journalisten die Herausgabe eines Protokolls der kantonalen Pensionskasse zu verweigern. Dies sei kein g\u00fcltiges Argument, entschieden die Lausanner Richter und wiesen den Fall zur Neubeurteilung ans Kantonsgericht zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Der Rechtsstreit geht zur\u00fcck auf Mai 2020 zur\u00fcck: Damals stellte der stellvertretende Chefredaktor der Tageszeitung \u00abLe Temps\u00bb der Pensionskasse Fragen zur Ver\u00f6ffentlichung einer Pressemitteilung der Entente (FDP und CVP). Die Parteien kritisierte darin zwei Entscheidungen: die \u00c4nderung der Sterbetafeln und die Senkung des technischen Zinssatzes.<\/p>\n<p>F\u00fcr seine Recherche wollte der Journalist unter anderem Einsicht in das Protokoll einer Vorstandssitzung. Die Pensionskasse beantwortete die Fragen, wies jedoch das Zugangsgesuch ab. Ihre Begr\u00fcndung: Die im Bundesgesetz \u00fcber die BVG verankerte Schweigepflicht habe Vorrang vor dem Genfer \u00d6ffentlichkeitsgesetz (LIPAD).<\/p>\n<p>Eine Schlichtung vor dem Genfer \u00d6ffentlichkeitsbeauftragten scheiterte. Im April 2021 best\u00e4tigte das Genfer Kantonsgericht den Standpunkt der Pensionskasse.<\/p>\n<p><strong>Ein allgemeines Recht auf Zugang<\/strong><\/p>\n<p>Der Fall landete vor dem Bundesgericht, welches dem Genfer Entscheid nun widerspricht. Das Gericht h\u00e4lt fest, das Bundesgesetz \u00fcber das \u00d6ffentlichkeitsprinzip der Verwaltung (BG\u00d6) gew\u00e4hrleiste ein allgemeines Recht auf Zugang zu amtlichen Dokumenten. Das \u00d6ffentlichkeitsprinzip sei auch in der Genfer Verfassung und im LIPAD verankert.<\/p>\n<p>Das im BVG festgeschriebene Amtsgeheimnis f\u00fcr die Mitglieder des Vorstandes erlaube es nicht, die Anwendung des BG\u00d6 vollst\u00e4ndig auszuschliessen. Vielmehr m\u00fcsse die Tragweite der in einem Bundesgesetz vorgesehenen Wahrung eines Geheimnisses im Zusammenhang mit dem \u00d6ffentlichkeitsprinzip definiert werden.<\/p>\n<p><strong>Das \u00d6ffentlichkeitsprinzip w\u00fcrde ausgeh\u00f6hlt<\/strong><\/p>\n<p>Die Verpflichtung zur Geheimhaltung gelte nicht f\u00fcr alle zug\u00e4nglichen Dokumente, h\u00e4lt das Gericht in seinem Urteil explizit fest. Ansonsten w\u00fcrde das \u00d6ffentlichkeitsprinzip weitgehend ausgeh\u00f6hlt. Eine Geheimhaltung gelte insbesondere nicht f\u00fcr Informationen, die keine pers\u00f6nlichen Daten enthielten. Das vom Journalisten angeforderte Protokoll enthalte keine solchen Informationen, schreibt das Bundesgericht.<\/p>\n<p>Das Genfer Kantonsgericht muss nun entscheiden, ob die Sitzung der Pensionskasse \u00f6ffentlich, nicht \u00f6ffentlich oder unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit stattfand. Nach dem LIPAD schr\u00e4nkt n\u00e4mlich der nicht\u00f6ffentliche Charakter einer Sitzung das Recht auf Information und Zugang zu Unterlagen nicht ein. Bei einer geschlossenen Sitzung hingegen \u00abm\u00fcssen die Beratungen und Abstimmungen geheim bleiben\u00bb.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Pensionskasse des Kantons Genf soll keine Blackbox sein. Dies hat das Bundesgericht in einem Verfahren gegen die Genfer Justiz entschieden. Ein Journalist wollte das Protokoll einer Vorstandssitzung einsehen, was ihm die Pensionskasse verweigerte. 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