{"id":13824,"date":"2021-11-20T07:15:44","date_gmt":"2021-11-20T06:15:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/?p=13824"},"modified":"2023-01-21T21:11:59","modified_gmt":"2023-01-21T20:11:59","slug":"fur-engagierte-medien-ist-staatsforderung-eine-chance","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/2021\/11\/fur-engagierte-medien-ist-staatsforderung-eine-chance\/","title":{"rendered":"F\u00fcr engagierte Medien ist Staatsf\u00f6rderung eine Chance"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_13827\" class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 592px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-13827 size-full\" src=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2021\/11\/JEAN-CHRISTOPHE-BOTT_Arcinfo.png\" alt=\"\" width=\"582\" height=\"327\" srcset=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2021\/11\/JEAN-CHRISTOPHE-BOTT_Arcinfo.png 582w, https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2021\/11\/JEAN-CHRISTOPHE-BOTT_Arcinfo-300x169.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 582px) 100vw, 582px\" \/> Unterst\u00fctzung vom Staat f\u00fcr regionale Medien: Redaktionssitzung beim Neuenburger ArcInfo. (Foto: Jean-Christophe Bott\/Keystone)<p class=\"wp-caption-text\"><\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #fff;background-color: #000;padding: 1px 5px\">KOMMENTAR<\/span><b> <\/b>Vier Jahre nach der \u00abNo Billag\u00bb-Initiative stimmt die Schweiz am 13. Februar erneut \u00fcber staatliche Medienf\u00f6rderung ab. Die Vorlage polarisiert, da auch Grossverlage unterst\u00fctzt w\u00fcrden. F\u00fcr die Non-Profit-Organisationen der Medien ist das F\u00f6rderprogramm eine Chance.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>2017 machten die journalistischen NPOs der Schweiz in einem Treffen mit der Eidgen\u00f6ssischen Medienkommission erstmals auf ihre Situation aufmerksam: Sieben Organisationen \u2013 darunter auch <em>\u00d6ffentlichkeitsgesetz.ch<\/em> \u2013 rechneten den Beraterinnen und Beratern der Regierung vor, wie viele Tausend Stunden Freiwilligenarbeit sie j\u00e4hrlich leisten.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Am Tisch sassen Vertreterinnen und Vertreter des \u00abSchweizer Presserats\u00bb, von \u00abJunge Journalistinnen und Journalisten Schweiz\u00bb, des \u00abRecherche-Netzwerk investigativ.ch\u00bb, des \u00abReporter:innen Forum\u00bb und weiterer Organisationen.<\/p>\n<p><strong>Unterfinanzierte Strukturen sind ein Risiko<\/strong><\/p>\n<p>Die Medienschaffenden schilderten den Experten, wie sie neben dem stressigen Redaktionsalltag Workshops und Erz\u00e4hlcaf\u00e9s auf die Beine stellen und in Sonntagsarbeit Datenbanken zu Gerichtsentscheiden und Lobbynetzwerken f\u00fcttern. Sie tun dies, weil sie f\u00fcr ihren Beruf brennen.<\/p>\n<p>Diese Freiwilligenarbeit bringe sie aber an die Grenzen, sagten die Engagierten: Angesichts der Arbeitsbelastung in den Newsrooms wiege jede Stunde Freiwilligenarbeit recht schwer. Deshalb sei das Prinzip der journalistischen Fronarbeit riskant. Wichtige Projekte hingen von einzelnen Personen ab: \u00abWird die Arbeit nicht mehr geleistet, treten Personen aus, ist die Initiative gestorben.\u00bb<\/p>\n<div id=\"attachment_13832\" class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 592px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-13832 size-full\" src=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2021\/11\/JEAN-CHRISTOPHE-BOTT.png\" alt=\"\" width=\"582\" height=\"327\" srcset=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2021\/11\/JEAN-CHRISTOPHE-BOTT.png 582w, https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2021\/11\/JEAN-CHRISTOPHE-BOTT-300x169.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 582px) 100vw, 582px\" \/> \u00abUntaugliches Gesch\u00e4ftsmodell\u00bb: Bei der F\u00f6rderung des engagierten Journalismus sei der Staat gefordert, sagt Wirtschaftswissenschaftler Stiglitz. (Foto: Jean-Christophe Bott\/Keystone)<p class=\"wp-caption-text\"><\/p><\/div>\n<p>Die Expertinnen und Experten nickten anerkennend, lobten das Engagement als wichtigen Beitrag f\u00fcr eine lebendige Publizistik in der Schweiz. Die Arbeit der journalistischen Basisorganisationen war danach immer wieder Thema, auch in den Beratungen zum Medienpaket, das im Februar zur Abstimmung kommt. Unbestritten war und ist bis jetzt, dass journalistische NPOs \u00e4hnlich (wenn auch weitaus bescheidener) wie die Medienschulen k\u00fcnftig im Rahmen der Ausbildungsf\u00f6rderung von staatlichen Zusch\u00fcssen profitieren sollen.<\/p>\n<p><strong>Investigativer Journalismus ein \u00abMarktfehler\u00bb<\/strong><\/p>\n<p>Doch: Werden kritische Medienschaffende, die mithilfe von staatlichen Mitteln gef\u00f6rdert werden nicht beeinflusst, gez\u00e4hmt, geg\u00e4ngelt?<\/p>\n<p>Mit Zusch\u00fcssen des Bundesamts f\u00fcr Kommunikation haben wir in der Vergangenheit immer wieder Schulungen veranstaltet: Vertiefungs-Lehrg\u00e4nge, Abendschulungen und unsere Roadshow durch die Kantone.<\/p>\n<p>Obwohl Geld daf\u00fcr auch von der Verwaltung kam, liessen sich die Medienschaffenden nicht kaufen. Im Gegenteil. Sie wurden versierter im Umgang mit den Zugangsrechten, die ihnen zustehen. Sie benutzen die \u00d6ffentlichkeitsgesetze von Bund und Kantonen und realisieren damit immer h\u00e4ufiger Beitr\u00e4ge, welche sehr oft auch Fehlentwicklungen in den Verwaltungen aufdecken.<\/p>\n<p>Engagierter Journalismus ist n\u00f6tig und wichtiger denn je. Damit l\u00e4sst sich das System, in dem wir dringend L\u00f6sungen finden m\u00fcssen, nachhaltig st\u00e4rken. Investigativer Journalismus, den die kleinen NPOs in der Schweiz genauso f\u00f6rdern, wie Medienh\u00e4user in ihren Recherchedesks, sei allerdings ein Marktfehler, sagte der US-Wirtschaftswissenschaftler Joseph Stiglitz unl\u00e4ngst. Er sei zwar ein \u00f6ffentliches Gut, f\u00fcr das es eine grosse Nachfrage gebe. Aber als Gesch\u00e4ftsmodell tauge es nicht \u2013 da seien Stiftungen genauso gefordert wie der der Staat, sagt er zu Recht.<em>\u00a0Martin Stoll.<\/em>\u00a0<\/p>\n<hr \/>\n<p><em>Martin Stoll ist Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von \u00d6ffentlichkeitsgesetz.ch und Vizepr\u00e4sident von investigativ.ch<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; KOMMENTAR Vier Jahre nach der \u00abNo Billag\u00bb-Initiative stimmt die Schweiz am 13. Februar erneut \u00fcber staatliche Medienf\u00f6rderung ab. Die Vorlage polarisiert, da auch Grossverlage unterst\u00fctzt w\u00fcrden. 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