{"id":10305,"date":"2019-02-03T10:23:58","date_gmt":"2019-02-03T09:23:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/?p=10305"},"modified":"2019-02-03T10:23:58","modified_gmt":"2019-02-03T09:23:58","slug":"medikamentenpreise-roche-setzt-bundesamt-unter-druck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/2019\/02\/medikamentenpreise-roche-setzt-bundesamt-unter-druck\/","title":{"rendered":"Medikamentenpreise: Roche setzt Bundesamt unter Druck"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_10306\" class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 592px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-10306 size-full\" src=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2019\/01\/rundschau_s_w.gif\" alt=\"\" width=\"582\" height=\"327\" \/> Dokumente belegen: Beim Poker um Medikamentenpreise hat der Bund schlechte Karten. (Foto SRF)<p class=\"wp-caption-text\"><\/p><\/div>\n<p><em>Von Nina Blaser.<\/em> <strong>Das Bundesamt f\u00fcr Gesundheit steht bei der Preisfestsetzung von Medikamenten unter Druck der\u00a0Pharma-Firmen. Das zeigen die Dokumente einer Preisverhandlung.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Die\u00a0Rundschau\u00a0hat den Schriftverkehr zwischen dem Bundesamt f\u00fcr Gesundheit (BAG) und der Firma Roche ausgewertet, in welchem \u00fcber den Verkaufspreis f\u00fcr das Krebsmedikaments \u00abPerjeta\u00bb verhandelt wurde. Die Dokumente beantragte SRF gest\u00fctzt auf das \u00d6ffentlichkeitsgesetz.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.srf.ch\/play\/tv\/popupvideoplayer?id=3f4162ed-8431-4369-9023-6ebc920348a2\">Die Akten zeigen ein undurchsichtiges Machtspiel.<\/a> Anfangs verlangt Roche pro Packung 3950 Franken. Das BAG will aber nur einen Preis von 1850 Franken bewilligen. Am Schluss der Verhandlungen bleibt der Preis deutlich h\u00f6her als vom BAG verlangt: \u00abPerjeta\u00bb kommt 2013 f\u00fcr 3450 Franken auf den Markt. Heute betr\u00e4gt der Listenpreis rund 3000 Franken.<\/p>\n<p><strong>Rabatte und \u00abSchaufensterpreis\u00bb<\/strong><br \/>\nDie Dokumente zeigen, wie Roche den hohen Preis durchsetzen konnte. Das Unternehmen gew\u00e4hrte den Krankenversicherern einen Rabatt von \u00fcber 2000 Franken auf den Listenpreis. Roche propagierte diese L\u00f6sung als innovatives \u00abPreismodell\u00bb.<\/p>\n<p>Max Giger war Pr\u00e4sident der eidgen\u00f6ssischen Arzneimittelkommission (EAK) und kennt die Akte \u00abPerjeta\u00bb gut. Die EAK gibt bei der Preisfestsetzung eine unverbindliche Empfehlung ab. Die Kommission stufte \u00abPerjeta\u00bb dreimal als zu teuer ein, schon vor der ersten Aufnahme auf die Spezialit\u00e4tenliste 2013.<\/p>\n<p>\u00abRoche hat diesen Schaufensterpreis gebraucht. Je h\u00f6her der Schweizer Preis ist, desto eher kann man auch im Ausland einen hohen Preis verlangen, und man hat die M\u00f6glichkeit einen (gr\u00f6sseren) Rabatt zu geben.\u00bb Roche nimmt dazu auf Anfrage keine Stellung.<\/p>\n<p>Giger sagt, die Verhandlungen seien bis heute vertraulich und intransparent. \u00abDas BAG versucht zwar einen tieferen Preis auszuhandeln, l\u00e4uft aber zunehmend auf.\u00bb Entweder das Bundesamt komme den geforderten Preisen nach oder das Medikament laufe Gefahr, nicht auf die Liste gesetzt zu werden.<\/p>\n<p><strong>Powerplay von Roche<\/strong><br \/>\nWeiter scheint es, dass Roche mehrmals ein Scheitern der Verhandlungen in Kauf genommen hat. So 2014: Weil sich Beh\u00f6rde und Firma nach einer ersten Aufnahme auf die Spezialit\u00e4tenliste nicht einigen konnten, scheitern die Verhandlungen. Das teure Medikament steht ein Jahr lang nicht mehr automatisch auf der Liste, muss also nicht mehr von der Krankenkasse verg\u00fctet werden.<\/p>\n<p>Der Pr\u00e4sident der Krebsforschung Schweiz, Thomas Cerny, spricht von \u00abBetrug am Volk\u00bb. \u00abSchweizer Patientinnen haben bei Studien mitgemacht, um \u2039Perjeta\u203a auf den Markt zu bringen. Dann sagt Roche, wenn wir den Preis nicht erhalten, nehmen wir es wieder weg.\u00bb<\/p>\n<p>Roche entgegnet, \u00abPerjeta\u00bb sei jederzeit zug\u00e4nglich gewesen. Doch die Patienten hatten zwischenzeitlich nur \u00fcber Ausnahmegesuche Zugang zum Medikament.<\/p>\n<p><strong>Laut BAG eine \u00abErfolgsgeschichte\u00bb<\/strong><br \/>\nBeim BAG heisst es, das Preismodell von \u00abPerjeta\u00bb sei eine Erfolgsgeschichte. Man halte sich stets an die Gesetzgebung, so auch in diesem Fall.<\/p>\n<p>Dass das Amt hier einen zu hohen Preis bewilligt habe, bestreitet der Vize-Direktor des BAGs, Thomas Christen. Er betont: \u00abDer Preis f\u00fcr \u2039Perjeta\u203a ist g\u00fcnstiger als in der EU.\u00bb<\/p>\n<p>Christen sagt aber auch, das BAG stehe unter Druck der Industrie. Man sei aktuell in rund 60 F\u00e4llen vor Gericht, weil keine Preis-Einigung erzielt wurde. \u00abWir wissen also mit dem Druck umzugehen\u00bb, betont er.<\/p>\n<p>Roche gibt ein Interview, weicht aber den Fragen aus. Remo Christen, Direktor Marktzulassung Schweiz, h\u00e4lt fest: Der Preis f\u00fcr \u00abPerjeta\u00bb sei transparent und mit allen Beteiligten zustande gekommen. Die gefundene Rabattl\u00f6sung sei ein Pioniermodell.\u00a0<\/p>\n<hr \/>\n<p><em>Dieser Text erschien erstmals auf der Webseite von SRF.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Nina Blaser. Das Bundesamt f\u00fcr Gesundheit steht bei der Preisfestsetzung von Medikamenten unter Druck der\u00a0Pharma-Firmen. 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