{"id":10199,"date":"2018-12-26T07:16:56","date_gmt":"2018-12-26T06:16:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/?p=10199"},"modified":"2018-12-26T14:03:34","modified_gmt":"2018-12-26T13:03:34","slug":"das-geld-des-investors-die-bergbahnen-und-die-medien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/2018\/12\/das-geld-des-investors-die-bergbahnen-und-die-medien\/","title":{"rendered":"Das Geld des Investors, die Bergbahnen und die Medien"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_10213\" class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 592px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-10213 size-full\" src=\"https:\/\/www.oeffentlichkeitsgesetz.ch\/deutsch\/files\/2018\/12\/Vitek.gif\" alt=\"\" width=\"582\" height=\"327\" \/> Alles in Ordnung? Investor Vitek erkl\u00e4rt sich am 6. Dezember an einer Informationsversammlung \u00fcber die Zukunft der Bergbahnen in Crans-Montana. (Foto: Keystone\/Maxime Schmid)<p class=\"wp-caption-text\"><\/p><\/div>\n<p><em>Von Julia Rippstein.<\/em><strong> Um Licht in Finanzfl\u00fcsse des tschechischen Milliard\u00e4rs Radovan Vitek zu bringen, verlangten Westschweizer Medien Zugang zu Gesch\u00e4ftsberichten der Bergbahnen Crans-Montana. Nach heftigem Widerstand lenken die betroffenen Walliser Gemeinden jetzt ein.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Zugangsgesuche hatten Journalisten von Canal9 und Le Nouvelliste bei den Walliser Gemeinden Crans-Montana, Lens und Icogne eingereicht. Die Berichte \u2013 so ihre Vermutung \u2013 enthielten Hinweise auf m\u00f6gliche Straftaten, zu denen es bei der Reapitalisierung der Bergbahnen durch den Investor gekommen sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>\u00dcber Unregelm\u00e4ssigkeiten berichtete zuvor Le Matin Dimanche. Die Bergbahnen von Crans-Montana (CMA) wurden 2016 fast vollst\u00e4ndig vom 56-j\u00e4hrigen Milliard\u00e4r Radovan Vitek \u00fcbernommen: Er besitzt heute 85 Prozent des Aktienkapitals, die Gemeinden nur noch 11 Prozent.<\/p>\n<p>Sieben Tage nachdem die Regionalmedien bei den Gemeinden Zugang zu den Gesch\u00e4ftsberichten verlangt hatten, lehnten diese am 11. Oktober das Gesuch ab. Doch die Medienschaffenden gaben sich nicht geschlagen und leiteten ein Schlichtungsverfahren ein. Daran beteiligen sich weitere Westschweizer Medien: Neben Le Matin Dimanche auch RTS und Le Temps.<\/p>\n<p>An der Schlichtungssitzung Ende November f\u00fchrten die Gemeinden ins Feld, durch die Offenlegung sei der Abschluss einer Vereinbarung mit CMA gef\u00e4hrdet. Noch befinde man sich in der Verhandlungsphase, argumentierte laut Le Nouvelliste der Anwalt der Gemeinden, Gr\u00e9goire Varone. Weiter behaupteten die Gemeindepr\u00e4sidenten, die Dokumente seien nicht definitiv, es handle sich um Arbeitspapiere. Davon hielt der Walliser Transparenzbeauftragte, S\u00e9bastien Fanti, indessen wenig.<\/p>\n<p><strong>Offenlegung unter Vorbehalt<\/strong><\/p>\n<p>Zwei Tage nach der Schlichtungssitzung schlugen die Gemeinden vor, die Unterlagen zu liefern, jedoch unter Vorbehalten: Die Offenlegung erfolge erst im Januar und nur wenn die Staatsanwaltschaft sie nicht verlange. Wegen Verdacht auf strafbare Handlungen bei der Kapitalerh\u00f6hung der CMA hatte diese eine Voruntersuchung er\u00f6ffnet. Das Strafgesetzbuch sei h\u00f6her zu gewichten als das kantonale \u00d6ffentlichkeitsgesetz, argumentierten die Gemeinden.<\/p>\n<p>Noch am gleichen Tag verlangte die Staatsanwaltschaft die Berichte. Die Journalisten waren emp\u00f6rt: Das k\u00f6nne kein Zufall sein, so wolle man verhindern, dass die Unterlagen \u00f6ffentlich w\u00fcrden, kritisierten die Medienschaffenden. Auch der \u00d6ffentlichkeitsbeauftragte Fanti bem\u00e4ngelte das Vorgehen und schrieb in einer Empfehlung, die Berichte m\u00fcssten unverz\u00fcglich zug\u00e4nglich gemacht werden<\/p>\n<p>Die Hartn\u00e4ckigkeit der Journalisten scheint sich gelohnt zu haben: Die Gemeinden entschieden sich k\u00fcrzlich doch noch f\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichung. Im Moment sind sie daran, die Dokumente gemeinsam mit Fanti f\u00fcr die Publikation vorzubereiten. Einzelne Namen und heikle Passagen m\u00fcssten noch geschw\u00e4rzt werden, hiess es.<\/p>\n<p><strong>Retter in der Krise<\/strong><\/p>\n<p>Die Seilbahnen von Crans-Montana stecken seit Jahren in einer Krise. Bis 2003 geh\u00f6rten sie mehrheitlich sechs Gemeinden. Diese waren gezwungen, immer mehr Geld in die Gesellschaft zu investieren. 2013 kam der tschechische Milliard\u00e4r und Immobilienunternehmer Radovan Vitek ins Spiel. Er \u00abrettete\u00bb die Skilifte. Zuerst besass er 10 Prozent der Gesellschaft, heute sind es \u00fcber 85 Prozent. Vitek wohnt in Crans-Montana und investiert viel Geld in der Region. Neben den Bergbahnen geh\u00f6ren ihm auch die Restaurants und Parkpl\u00e4tze des Bergdorfes. Zudem plant er die Errichtung einer Klinik sowie ein neues Resort mit Hotels und Luxuswohnungen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Julia Rippstein. Um Licht in Finanzfl\u00fcsse des tschechischen Milliard\u00e4rs Radovan Vitek zu bringen, verlangten Westschweizer Medien Zugang zu Gesch\u00e4ftsberichten der Bergbahnen Crans-Montana. Nach heftigem Widerstand lenken die betroffenen Walliser Gemeinden jetzt ein.\u00a0 Zugangsgesuche hatten Journalisten von Canal9 und Le Nouvelliste bei den Walliser Gemeinden Crans-Montana, Lens und Icogne eingereicht. 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