«Der Sonntag» stellt geheimen Finma-Bericht online

Von Thomas Knellwolf. Es ist ein eher seltener Vorgang in der Schweizer Medienlandschaft: Die Zeitung «Der Sonntag» stellt ein Dokument online, das nicht öffentlich zugänglich ist.

 

Nicht für die Öffentlichkeit bestimmt: Details zur Banken-Pleite. (Foto: Keystone)

Auf 39 Seiten stellt die schweizerische Finanzmarktaussicht Finma ihre Untersuchungsergebnisse zur Pleite der Bank Lehman Brothers dar. Die Redaktion publiziert den Bericht integral auf ihrer Homepage.

Die Finma selber hatte nur eine abgeschwächte und gekürzte Version ihres eigenen Berichtes veröffentlicht. Neues erhält das nun publizierte Dokumente wenig, da «Der Sonntag» bereits mehrmals über Erkenntnisse daraus berichtet hatte. Trotzdem wäre es wünschenswert, wenn das Beispiel Schule machte. Durch Veröffentlichung ihrer Recherchegrundlage schaffen auch Journalisten Transparenz, die unter anderem Kollegen bei weiteren Arbeiten helfen kann.

Aus dem nun publizierten Finma-Originalbericht geht hervor, dass in der Schweiz 20000 Anleger wegen der Pleite der US-Bank insgesamt 4 Milliarden Franken verloren haben. Die weitaus grössten Verluste fielen bei Kunden der Credit Suisse an, die strukturierte Produkte von Lehman im grossen Stil angepriesen hatte.


1 Kommentar

Mit dem FINMA-Bericht vom 2.3.2010 wurde ein ganzes Land über das Verhalten seiner Banken – vor allem der Credit Suisse – in die Irre geführt. Und das von einer Behörde, die vorgibt, unabhängig zu sein und die Anleger zu schützen. Einen solchen Zynismus leistet sich normalerweise nur der Machtapparat einer totalitären Diktatur. Dass Bundesrat und Parlament so etwas zulassen, zeigt, dass wir letztlich in einer Bankokratie leben.

Von Michael Schmid | 08.11.2011, 22:07 Uhr


Kommentar schreiben

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.